Kriech-Weide

Salix repens

Gehölz
Wildform
Wichtige Bienenpflanze
Vogelschutznährgehölz
Kriech-Weide (Salix repens) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: Agnieszka Kwiecie?, Nova, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimische, eher seltene Weidenart
  • Bewohner von Dünen und Mooren
  • Braucht einen grundfeuchten und eher nährstoffarmen, sauren Boden mit viel Sonne
  • Niedrig bleibender Zwergstrauch mit kriechenden Trieben
  • Kätzchen im April und Mai, zweihäusig
  • Ökologisch wichtige Art als Pionierpflanze, für Bienen, Vögel und Säuger
  • Extrem variabel mit zahlreichen Hybriden und mindestens drei Unterarten
  • „Rosmarinweide“ mit rosmarinähnlichen Blättern
  • Für Steingärten und Teichränder geeignet
  • Leichte Vermehrung mit Stecklingen
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Wuchs: bodendeckend
Höhe: 40 - 100 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: gelb
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: durchlässig
Wasser: frisch bis trocken
Nährstoffe: normaler Boden
Kübel/Balkon geeignet: Ja
Sonstiges
Ordnung: Malpighienartige
Familie: Weidengewächse
Gattung: Weiden
Aussaat:
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a
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n
d
Keimer: Lichtkeimer, Warmkeimer
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Kriech-Weide?

Kriech-Weide oder Moor-Weide (Salix repens) ist eine äußerst vielgestaltige Vertreterin aus der Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Man findet sie von Europa bis nach West- und Zentralasien hinein auf Moorwiesen, in Heidemooren und Flachmooren, auf Dünen, Heideflächen und nassen Magerweiden mit wechselfeuchten bis staunassen Böden. Sie steigt von der Ebene bis auf eine Höhe von 1.700 Meter im Gebirge auf.

Es handelt sich dabei um einen niedrigen, nur 40-100 Zentimeter hohen reichlich verzweigten und sommergrünen Zwergstrauch mit einem unterirdisch kriechenden Stamm. Die Äste sind niederliegend und nur an den Spitzen bogig aufsteigend, dünn und braun berindet; anfangs tragen sie eine seidige Behaarung, die alsbald verschwindet. Auch die spreizenden Winterknospen sind behaart, sie haben hier eine braune bis rotbraune Färbung.

Die sehr variablen graugrünen bis grünen Laubblätter werden bis zu fünf Zentimeter lang und bis zu zwei Zentimeter breit; ihr Umriss ist lanzettlich bis länglich-elliptisch, mit einem abgerundeten oder verschmälerten Grund und einer auslaufenden Spitze. Der Blattstiel ist kurz und weist mitunter am Grund schmal-lanzettliche Nebenblätter auf. Während die anfangs seidig glänzend behaarte Oberseite der Blattspreite nach kurzer Zeit kahl wird bleiben die dichten Härchen auf der Unterseite stehen. Am Rand sind die Blätter leicht nach unten umgebogen und entfernt drüsig gezähnt.

Die Kriech-Weide ist zweihäusig, weist also männliche und weibliche Pflanzen auf. Ihre runden dichten, später länglichen und lockeren Kätzchen erscheinen kurz vor dem Laubaustrieb; die gelben männlichen erreichen eine Länge von 15 Millimetern und stehen steil aufrecht. Ihre Tragblätter weisen einen gelblichen Grund und eine dunkler gefärbte Spitze auf, die beiden Staubbeutel sind geschlossen purpurfarben und geöffnet gelb. Die vielblütigen gestielten grünlichen weiblichen Kätzchen werden nur etwa einen Zentimeter lang und tragen einen lang gestielten und behaarten Fruchtknoten. Blütezeit ist im April und Mai, die Fruchtreife erfolgt im Mai und Juni. Die Früchte sind bräunliche Kapseln, die bei Reife aufspringen und die mit einem weißwolligen Haarschopf bekrönten Samen entlassen.

Kriech-Weide im Garten

Standort

Die Kriech-Weide bevorzugt einen feuchten und nährstoffarmen, aber basenreichen, mild bis mäßig sauren mesotrophen Torf- oder humosen Tonboden. Sie steht gerne in der Sonne; Staunässe erträgt sie geduldig, und im Winter erweist sie sich als vollkommen frosthart.

Schnitt

Üblicherweise wird man die Kriech-Weide nur schneiden, wenn man sie in Form bringen möchte. Sie sind gut schnittverträglich, brauchen aber keinen regelmäßigen Rückschnitt und sind ausgesprochen pflegeleicht.

Vermehrung

Eine Vermehrung mit Samen ist bei den kleinen wolligen Dingern schwierig; wesentlich schneller fährst Du mit Stecklingen, die wie bei den meisten Weiden gut bewurzeln und schnell austreiben. Oder mit jungen Bäumchen aus der Baumschule.

Verwendung

Die Kriech-Weide wird an den Küsten häufig für die Bodenfestigung an den Dünenstränden eingesetzt. In Gärten findet man sie vergleichsweise selten, obwohl sie sich mit ihrem zwergenhaften Wuchs auch für kleine Steingärten oder den Uferbereich eines Gartenteiches eignet. Sie ist wenig rauchhart und verträgt das urbane Klima eher schlecht.

Schädlinge

Die Kriech-Weide ist recht robust und wird eher selten von den Weiden-üblichen Schädlingen wie Schildläusen, Weidenbohrer (Cossus cossus), Gallmücken sowie Pappelspinner (Leucoma salicis) und Großer Pappelbock (Saperda carcharias) befallen.

Ökologie

Sowohl die männlichen wie auch weiblichen Blüten der Kriech-Weide tragen jeweils nur ein Nektarium. Zusammen mit dem Pollen der Männchen sind die Kätzchen wichtige Nahrungslieferanten für Honigbienen und Wildbienen. Insgesamt neun Wildbienenarten, vor allem Sandbienen (Andrena spec.) profitieren von diesem Futterangebot. Die Verbreitung der Samen erfolgt mit dem Wind, der die Samenbüschel über weite Strecken davonträgt.

Wichtig sind die Pionierpflanzen für die Besiedlung der Folgeflora und als Unterschlupf für diverse Tiere. Die flauschigen Samenhaare dienen Vögeln als Nistmaterial, und in der näheren Umgebung der Bestände finden sich ungewöhnlich viele Pilze, was für eine ausgeprägte symbiontische Beziehung der Mycrorrhiza spricht.

Dünengebiete mit Salix repens-Beständen gelten gemäß der EU-Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie, Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen) als ökologisch bedeutsam – inzwischen sind über 130 Schutzgebiete im Natura 2000-Netz ausgewiesen.

Wissenswertes

Die Kriech-Weide ist nicht nur wie die meisten Weidenarten äußerst vielgestaltig, sie bildet mit ihrer Verwandtschaft auch fleißig Hybriden. Besonders gerne geschieht dies mit Sal-Weide (Salix caprea) und Lappland-Weide (Salix flapponum). Daher ist eine genaue Abgrenzung der Arten auch für einen erfahrenen Botaniker oft schwierig. In den letzten Jahren spielen neben den althergebrachten Unterscheidungsmerkmalen von Blüten, Blätter und Wuchsformen auch die Untersuchung von Chromosomensatz und Inhaltsstoffen eine wachsende Rolle. Sie bestätigen nur, dass sich ein exakter Artbegriff bei dieser vertrackten Familie nur schwer wissenschaftlich definieren lässt.

Fotos

Gesamte Pflanze Kriech-Weide
Quelle: Agnieszka Kwiecie?, Nova, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Kriech-Weide
Quelle: Krzysztof Ziarnek, Kenraiz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Kriech-Weide
Quelle: Agnieszka Kwiecie?, Nova, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Welche Sorten Kriech-Weide gibt es?

Je nach botanischer Lesart unterscheidet man bei der Kriech-Weide drei Unterarten:

  • Die Charakterart Kriech-Weide oder Porst-Weide Salix repens ssp. repens kommt im atlantisch geprägten Europa und den Britischen Inseln vor und steigt in den Alpen Tirols bis auf 1.700 Meter auf. Bei ihr erscheinen die Kätzchen vor den Blättern, sie sind kurz gestielt, oval bis kurz zylindrisch, die Laubblätter 1,2-5-mal so lang wie breit, oberseits kahl oder wenig behaart, die Kapsel ist oft vollkommen kahl.
  • Die Sand-Kriech-Weide, Dünenweide oder Sandweide Salix repens ssp. arenaria (Salix repens ssp. argentea) weist oberseits kahle und unterseits seidig lang behaarte, eher rundliche bis ovale Blätter auf, die bis zu 2,5-mal so lang wie breit sind. Sie ist eine typische Sandpflanze, die oft vom Sand überweht wird, sodass nur die Zweigspitzen herausschauen. Oberirdisch wächst sie fleißig weiter, derweil sie im angehäuften Sand neue Wurzeln treibt und für feste Verankerung sorgt. Diese Unterart ist ein typischer Bewohner der Gebüsche in den Dünengebieten Europas von Westfrankreich bis nach Südskandinavien und kommt auch an der Nord- und Ostsee zerstreut vor.
  • Die Rosmarin-Weide (Salix repens ssp. rosmarinifolia) weist 2-4 Zentimeter lange schmale Blätter auf, die entfernt an die des Rosmarin erinnern. Sie sind 5-10-mal länger als breit, die Kätzchen sitzend, die Kapseln vollständig behaart. Diese Unterart tritt in einem Areal von Osteuropa bis nach Mittel- und Süddeutschland sowie in einem isolierten Gebiet im Nordwesten Frankreichs auf. Sie wächst auf Moorwiesen und eutrophen Mooren und ist inzwischen entsprechend selten geworden.

Ökologischer Wert

Kriech-Weide in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge, Vögel

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
9

Vögel und Säugetiere

Vogelschutzgehölz & Vogelnährgehölz ja
Anzahl fressende Säugetierarten:
16

Themen

Quelle: Photo by Cédric VT on Unsplash
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