Gewöhnliche Robinie,Schein-Akazie

Robinia pseudoacacia

Gehölz
Wildform
Gute Bienenweide
giftig
Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: Norbert Nagel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aus Nordamerika stammender sommergrüner Laubbaum
  • Bis zu 25 Meter hoch mit locker schirmartiger Krone
  • Typisch fiederteilige Blätter mit Dornen am Blattgrund
  • Weiße duftende Blüten in hängenden Trauben
  • Schnelle Ausbreitung mit Ausläufern und Samen
  • Anspruchslos und robust, pflegeleicht; braucht Windschutz
  • Bis auf die Blüten in allen Teilen giftig
  • Gute Bienenweide mit zuckerreichem Nektar und Lieferant von „Akazienhonig“
  • Invasiver Neophyt, der einheimische Arten verdrängt
  • Besonders zähes und elastisches Robinienholz
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 20 - 25 m
Breite: 12 - 18 m
Zuwachs: 40 - 120 cm/Jahr
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
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Licht
Sonne
Boden
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige
Familie: Hülsenfrüchtler
Gattung: Robinien
ist giftig alle Pflanzenteile
Gewöhnliche Robinie gefährdet die Artenvielfalt in Deutschland

Gewöhnliche Robinie ist eine invasive gebietsfremde Art, welche heimische Arten verdrängt und die Biodiversität gefährdet (siehe BfN-Skripten 352).

Pflanze im Zweifelsfall lieber einheimische Gewächse, über die sich auch die Tierwelt in deinem Garten freut.

Was ist Gewöhnliche Robinie?

Die Gewöhnliche Robinie oder kurz Robinie, oft auch als Falsche Akazie (Robinia pseudoacacia) bezeichnet, ist ein beliebter Park- und Straßenbaum, der auch häufig verwildert und mittlerweile vielerorts als eingebürgert gilt. Ursprünglich stammt das Mitglied aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) aus den Laubmischwäldern Nordamerikas.

Die Robinie ist ein schnellwüchsiger sommergrüner, 20-25 Meter hoher Baum mit einer rundlichen oder häufiger locker schirmartigen Krone. Abgestorbene Äste sind darin nicht ungewöhnlich. Die dicke Borke ist typisch tief gefurcht mit längs netzartigen Rissen und von grauer bis dunkelbrauner Farbe. Junge Zweige erscheinen zunächst hin- und hergebogen, gerieft und kahl und sind olivgrün bis rotbraun. Wie die Äste sind sie relativ spröde und brechen leicht. Eine Endknospe fehlt, und die Seitenknospen erscheinen erst spät im Frühjahr aus den alten Blattnarben.

Der späte Laubaustrieb liefert 3-4 Zentimeter lang gestielte, 20-30 Zentimeter große unpaarig gefiederte Blätter. Am Grund ist der Blattstiel auffällig verdickt, und neben ihm stehen die beiden zu bis zu drei Zentimeter langen Nebenblätter, die zu festen rotbraunen Dornen umgewandelt sind. Die bis zu 23 kurz gestielten hellgrünen Fiederblättchen sind länglich-elliptisch, 3-6 Zentimeter lang und bis zu drei Zentimetern breit. Anfangs beiderseits fein behaart verkahlen sie auf der Oberseite. Ebenso spät wie die Blätter im Frühjahr erscheinen werden sie im Herbst erst spät abgeworfen.

Im Mai und Juni erscheinen an den jungen Trieben die 10-25 Zentimeter langen Blütenstände mit 10-25 Einzelblüten. Vereinzelte Nachzügler treten bis in den Herbst auf. Die Trauben bestehen aus stark nach Honig duftenden, bis zu drei Zentimeter lang gestielten Blüten. Dabei handelt es sich um typische fünfzählige, zygomorphe und zwittrige Blüten mit einem glockigen Kelch und weißen, 1-3 Zentimeter langen Kronblättern. In ihrem Inneren bilden die zehn Staubblätter eine Röhre.

Aus dem Fruchtknoten erwächst nach der Bestäubung eine seitlich abgeflachte, 5-10 Zentimeter lange und 1-2 Zentimeter dicke dunkelbraune Hülse. Im Alter wird diese pergamentartig und ledrig braun; im Inneren befinden sich 4-10 glatte braune Samen von 6-7 Millimetern Länge. Reif werden die Schoten im September, wo sie aufbrechen und ihren Inhalt freigeben. Die meisten davon sind jedoch Wintersteher und bleiben oft über ein Jahr lang am Baum.

Gewöhnliche Robinie im Garten

Standort

Die Robinie gilt als mäßig anspruchsvoll und bevorzugt einen frischen bis mäßig trockenen, nährstoffreichen und tief- bis mittelgründigen Kies- oder Lehmboden mit reichlich Sand. Sie bildet ein ausgeprägtes Herzwurzelsystem und brauchen reichlich Licht an einer sonnigen bis halbschattigen Stelle. Windschutz ist wegen der fragilen Äste angebracht. Ungeeignet ist sie lediglich für feucht-humose, nasse und saure Böden. Die Wurzeln verhindern ein Auswachsen anderer Pflanzen, sodass sie am besten für Einzelstellung geeignet sind. Wegen ihrer Dornen ist sie ziemlich unkommunikativ, nicht zuletzt, weil die auch an den reichlich gebildeten Wurzelschösslingen entstehen. Direkt an einem vielbegangenen Weg oder an der Terrasse solltest Du sie daher vielleicht besser nicht pflanzen.

Schnitt

Robinien sind gut schnittverträglich, aber normalerweise brauchen sie keine besondere Pflege. Man kann sie problemlos in Formen schneiden. Ausgesprochen lange Triebe sollte man vorsichtshalber etwas einkürzen, um Windbruch vorzubeugen.

Vermehrung

Sich selbst vermehrt die Robinie vegetativ durch Ausläufer und generativ mit Samen. Die Wildart lässt sich auch für den Garten aus Samen nachziehen, die Du im Herbst aus den Hülsen puhlen kannst. Sie bleiben über 30 Jahre keimfähig, und erste Früchte werden bereits im Alter von sechs Jahren gebildet.

Sorten sind durchweg veredelt; man kann sie mit mäßigem Erfolg mit Stecklingen vermehren.

Verwendung

Als Park- und Alleebaum ist die Robinie weit verbreitet, und im heimischen Garten braucht sie reichlich Platz. Daher wird man sie meistens als Solitär pflanzen, der vor allem im Frühjahr mit seinen strahlend weißen und süßlich duftenden Blütentrauben vor den frischgrünen Blättern imponiert. Sowohl die Wildform als auch ihre Sorten sind rauchhart und gedeihen auch im städtischen Klima – das erklärt auch ihre Beliebtheit in Grünanlagen.

Das weitreichende flache Wurzelsystem, das deutlich über die Ausmaße der Krone hinausreicht, macht die Robinie auch zu einem ausgezeichneten Bodenfestiger an Hängen und Böschungen. Mit ihren stickstoffbindenden Wurzelknöllchen gedeiht sie auch auf stickstoffarmen Böden und lässt sie sich zur Bodenverbesserung einsetzen.

Schädlinge

Schädlinge oder Krankheiten wird man bei der außerordentlich robusten Robinie kaum finden.

Ökologie

Bestäubt werden die Robinienblüten von einer Vielzahl von Insekten, die sich von dem aromatischen Honigduft angezogen fühlen. Der reichlich gebildete Nektar am Grund der Blüten enthält 34-59 Prozent Zucker, davon rund 60 Prozent Saccharose und 30 Prozent Fruktose. Damit gilt sie als ausgezeichnete Bienenweide, die reichlich Robinienhonig liefert. Bisweilen läuft dieser wegen der Bezeichnung Falsche Akazie auch unter Akazienhonig. Robinienblütenhonig ist sehr mild und hell und bleibt lange flüssig.

Mit ihren geringen Ansprüchen an den Boden, ihrer Robustheit, den reichlich gebildeten Wurzelschossen und den über 30 Jahre keimfähig bleibenden Samen breitet sich die Robinie schnell in ihrer Umgebung aus. Kein Wunder, dass sie inzwischen als fremdartiger Baum mit der größten Ausbreitung in Europa, Asien und Nordafrika gilt. Damit erweist sie sich als durchaus problematisch, da sie die natürliche Vegetation verdrängt, zumal sie auf kargen Böden reichlich Stickstoff mithilfe ihrer Wurzelknöllchen bindet.

Wie problematisch diese Stickstoffbindung ist zeigt das Beispiel Österreich: Hier sind bereits 30 Prozent der Trockenrasenbestände durch die sich ausbreitende Robinie gefährdet. Ähnliches gilt für viele andere nährstoffarme Biotope, beispielsweise auch für Magerwiesen. Die zusätzliche Düngung lässt zahlreiche wenig konkurrenzstarke und Nährstoffe meidende Arten verschwinden und damit auch die von ihnen abhängige Fauna. Daher ist die Robinie eine der kritischsten invasiven Neophyten überhaupt.

Wissenswertes

Die Robinie hat ihren Namen nach Jean Robin (1550-1629), dem Hofgärtner von Heinrich III. Heinrich IV. und Ludwig XIII.. Die ersten beiden Exemplare aus Virginia pflanzte er Anfang des 16. Jahrhunderts in Paris in der Nähe von Notre-Dame. Bald erfreute sich der Baum mit seiner knorrigen Rinde und reichhaltigen Blütenpracht großer Beliebtheit. Von den botanischen Gärten aus – die ersten Bäume auf deutschem Gebiet standen um 1670 im Berliner Lustgarten - eroberte er alsbald Parks und Gärten und wurde auch von der Holzindustrie entdeckt. Erste Auswilderungen wurden bereits 1824 in der Nähe von Frankfurt/Oder beobachtet.

Heute ist die Robinie nach Pappel und Eukalyptus der weltweit am häufigsten kultivierte Laubbaum.

Robinien werden meist nur 50-60 Jahre alt, können aber auch bis zu 200 Jahre erreichen. Ihr Stammdurchmesser liegt bei einem halben bis ganzen Meter. Robinienholz hat einen dünnen hellgelben Splint und einen oft geflammt erscheinenden gelben bis rötlichen Kern. Es trocknet nur langsam mit wenig Schwund und ist außerordentlich fest und biegsam. Entsprechend beliebt ist es für Türschwellen, Parkett, Turngeräte und Schiffsbau. In den alten Bergbaugebieten von Ruhr und Saar findet man die Robinie besonders oft: Hier wurde sie gezielt angepflanzt, um mit ihrem Wurzelwerk die lockeren Abraumhalden zu befestigen und als zähes und elastisches Grubenholz unter Tage zu enden.

Viele der Zuchtsorten sind wesentlich kleiner als die Wildform, etwa die Kugel-Robinie (Robinia pseudoacacia ‚Umbraculifera‘) oder die „Korkenzieher-Akazie“ (Robinia pseudoacacia ‚Tortuosa‘).

Fotos

Gesamte Pflanze Gewöhnliche Robinie
Quelle: Norbert Nagel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Gewöhnliche Robinie
Quelle: Andrew Butko, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Frucht Gewöhnliche Robinie
Quelle: Andrew Butko, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Sorten Gewöhnliche Robinie

Sorte Höhe Breite
Gewöhnliche Robinie (Wildform) 20 - 25 m 12 - 18 m
Gold-Akazie 'Frisia' 7 - 10 m 5 - 8 m
Korkenzieher-Akazie 'Tortuosa' 8 - 12 m 5 - 8 m
Kugel-Robinie 4 - 6 m 2 - 5 m

Häufige Fragen

Wie groß werden Robinien?

Robinien, auch als Falsche Akazien bezeichnet, werden 20-25 Meter hoch. Sie sind schnellwüchsig und liefern bereits nach etwa sechs Jahren die ersten Früchte. Typisch ist ihre tief netzfurchige Rinde, die zu Dornen umgewandelten Nebenblätter, eine lockere schirmförmige Krone und die zahlreichen weißen Blütentrauben im Sommer.

Wie alt werden Robinien?

Eine Robinie kann bis zu 200 Jahre alt werden, die meisten Exemplare erreichen aber nur ein Alter von 50-60 Jahren. Dann liegt ihr Stammdurchmesser bei 50-100 Zentimetern. Bis sie stirbt hat sie mit Ausläufern und Samen für reichlich Nachwuchs gesorgt.

Warum keine Robinien pflanzen?

Die in Nordamerika heimische Robinie gilt als einer der problematischsten invasiven Neophyten. Sie breitet sich rasch mit Wurzelausläufern und Samen aus, stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, ist robust und schnellwüchsig. Im Wurzelbereich scheidet sie Substanzen auf, die das Wachstum anderer Pflanzen behindern. Zudem binden ihre Wurzelknöllchen Stickstoff aus der Luft und reichern dadurch den Boden mit Nitrat an. Viele einheimische Pflanzen vor allem nährstoffarmer Standorte vertragen das nicht und verschwinden, und mit ihnen auch die zugehörigen Tiere.

Wie giftig ist Robinie?

Die Robinie ist mit Ausnahme der Blüten in allen Teilen giftig – Blätter, Früchte und Samen können Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Kreislaufkollaps hervorrufen. In Ställen darf Robinienholz daher nicht verbaut werden, wenn die Tiere daran knabbern könnten, so auch bei Pferden oder Kaninchen.

Was ist der Unterschied zwischen Robinie und Akazie?

Akazie (Acacia spec.) wie die Immerblühende Akazie (Acacia retinodes) und Robinie oder Falsche Akazie/Scheinakazie (Robinia pseudoacacia) gehören beide zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), aber sehr unterschiedlichen Unterfamilien: Erstere zählt zu den Mimosengewächsen (Mimosoideae), letztere zu den Schmetterlingsblütlern (Faboideae).

Ähnlich sind nur die netzfurchigen Stämme und die gefiederten und am Grund bedornten Blätter. Schon die Blütenstände sind sehr unterschiedlich – die der Akazien sind kugelige oder zylindrische Ähren oder Trauben mit dicht gedrängt stehendenden kleinen Blütchen, bei der Robinie sind die locker stehenden großen Blüten in hängenden Trauben angeordnet.

Bei uns in Deutschland wird man kaum Anlass zur Verwechslung haben; hier sind Robinen in Parks und an Straßen häufig, wohingegen die Akazien nur in deutlich wärmeren Regionen wachsen. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in Australien, während die Falsche Akazie aus Nordamerika stammt.

Ökologischer Wert

Gewöhnliche Robinie ist in Mitteleuropa eingebürgert

Insekten

Nektarwert:
4
Pollenwert:
1

Bienenweiden mit Nektar- und Pollenwerten

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