Reneklode

Prunus domestica ssp. italica var. claudiana

Gehölz
Wildform
essbar
Frühblüher

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Varietät des Pflaumenbaumes und beliebte Obstsorte
  • Im Frühjahr mit zahlreichen weißen Blüten
  • Kugelrunde grüne Früchte im Spätsommer
  • Wenig anspruchsvoll, liebt Wärme und einen kräftigen nahrhaften Boden mit viel Sonne
  • Braucht milde Feuchte für das Ausreifen der Früchte
  • Name leitet sich vom französischen „Königing Claudia“ ab
  • Vermehrung mit Samen und Stecklingen, Sorten nur vegetativ
  • Gute Bienenweide und Raupenfutter für Schmetterlinge
  • Anfällig für diverse Pflaumenkrankheiten und Schädlinge
  • Zahlreiche Sorten im Handel, diese meistens veredelt
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 5 - 10 m
Breite: 2 - 6 m
Zuwachs: 50 - 80 cm/Jahr
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne
Boden
Boden: humos
Wasser: frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Rosenartige
Familie: Rosengewächse
Gattung: Prunus
ist essbar Frucht
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Reneklode?

Reneklode, Reineclaude oder Ringelotte (Prunus domestica ssp. italica var. claudiana) ist botanisch eine Unterart der Pflaume und unterscheidet sich von dieser durch ihre grüngelben kugeligen Früchte. Sie zählt zusammen mit den aus dem Lebensmittelhandel öfter erhältlichen blauen und roten Pflaumen zu den Edelpflaumen (Prunus domestica ssp. italica) oder rein praktisch und etwas weniger erhaben Kultur-Rundpflaumen. Wie der botanische Name bereits andeutet wurde die Unterart zunächst in Italien entwickelt, die eigentliche Reneclaude ist eine französische Züchtung. Heute baut man sie in ganz Süd- und Mitteleuropa und in Asien als Obstbaum an.

Bei der Reneclode handelt es sich also auch um einen Vertreter der Rosengewächse (Rosaceae). Ihre kräftigen Bäume werden bis zu 10 Meter hoch und wachsen wie die Stammart sparrig mit dornenlosen Ästen. Die Rinde ist glatt und graubraun, die jungen Triebe anfangs behaart und später kahl. An einem kurzen Blattstiel stehen die länglich-elliptischen Blätter, die auf der Oberseite glänzend und dunkler grün gefärbt sind als auf der matten Unterseite. Der Blattrand ist fein gesägt, der Rand oft leicht gewellt.

Die Blüten erscheinen meist gemeinsam mit dem Laubaustrieb; sie sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, zwittrig und sternförmig. Hier sind die Kronblätter fast kreisrund und reinweiß. Sie bilden in kleinen Gruppen zu zweit oder zu dritt doldenförmige Blütenstände.

Die runde Steinfrucht weist einen Durchmesser von 3-5 Zentimetern und ein Gewicht von 40-50 Gramm auf und hat ein besonders aromatisches und saftiges grünweißes Fruchtfleisch. Die Größe liegt zwischen der dickeren klassischen Rundpflaume und der kleineren Mirabelle. Außen sind sie gelblich bis hellgrün, mitunter stellenweise mit einem rötlichen Stich, und der für Pflaumen typischen Bauchnaht und einer weißlichen wächsernen Bereifung. Der festsitzende Steinkern ist breit elliptisch, mit einer umlaufenden Naht und einer kleinen Spitze, hellbraun und enthält in seiner verholzten Schale einen einzelnen fettreichen Samen.

Reneklode im Garten

Standort

Wie andere Pflaumen gilt auch die Reneklode als ausgesprochen genügsam; sie kommt mit so ziemlich jeder frischen bis feuchten, humus- und nährstoffreichen Erde zurecht. Der Boden sollte gut durchlässig sein und nach Möglichkeit etwas Kalk enthalten; er darf nicht allzu locker und auf keinen Fall stark verdichtet sein. Starke Feuchtigkeitsschwankungen oder gar Staunässe mag die Reneklode überhaupt nicht. Sie steht am liebsten schön warm in der Sonne und gerne auch etwas geschützt. Vor allem für reichen Fruchtansatz und optimale Reife sind viel Licht und ausreichende Feuchtigkeit wichtig.

Schnitt und Pflege

Alle Pflaumen wissen eine gute Bodenpflege zu schätzen. Daher nimmt auch die Reneklode eine Schicht Mulch auf der Bodenscheibe dankbar zur Kenntnis. Sie liefert nicht nur Nährstoffe, sondern schützt den Boden auch vor vorschnellem Austrocknen. Bei reichlich Fruchtansatz solltest Du auch noch etwas Volldünger, Langzeitdünger oder Kompost vorsehen.

Für eine reichhaltige Ernte empfiehlt sich ein Erziehungsschnitt zur Hohlkrone, der besonders viel Licht ins Innere kommen lässt – anders als die meist übliche Pyramidenkrone. Dabei siehst Du zu, dass sich der Stamm nicht unnötig verlängert und drei Leitäste die weitere Verzweigung übernehmen. Dann beschränken sich die späteren Erhaltungsschnitte auf Auslichten und regelmäßiges Verjüngen. Wichtig: Blüten erscheinen hauptsächlich an den Kurztrieben. Daher kannst Du die Langtriebe vor allem in der älteren Krone entfernen, damit genug Licht hereinkommt.

Vermehrung

Eine Vermehrung mit Samen ist ebenso möglich wie die mit Stecklingen. Wobei man bei den Sorten nie weiß, was da herankeimt, da hier alle möglichen Fremdsorten als Pollenspender in Betracht kommen. Daher kann man die Zuchtsorten nur vegetativ vermehren. Samen brauchen eine Kältephase zum Keimen.

Hast Du ein Reneklodenbäumchen in der Baumschule oder im Gartenmarkt gekauft, wird Dir vielleicht eine Veredelungsstelle am Ende des Stammes auffallen: Oft sind Renekloden auf eine besonders wüchsige und robuste Unterlage gepfropft. Hierfür muss meistens die unkaputtbare Kirschpflaume (Prunus cerasifera) herhalten.

Verwendung

Die Reneklode ist ein schöner Obstbaum für den Nutzgarten und ein frühjährlicher Magnet für Honigbienen und Wildbienen. Auch ein Solitär bietet vor allem im Frühjahr einen dekorativen Anblick. Wer es mit einer Kübelpflanze probieren möchte: Kleine Sorten wie die Zwerg-Reneklode ‚Goldust‘ wachsen eher buschig und lassen sich so auf Balkon und Terrasse bringen.

Schädlinge

Bestens bekannt sind die unfreiwilligen Fleischbeilagen im Inneren der Früchte: Dabei handelt es sich um die Raupen des Pflaumenwicklers (Grapholita funebrana) oder Fruchtschalenwicklers (Adoxophyes orana). Beides sind Nachtfalter und legen ihre Eier auch an Pflaume, Aprikose, Kirsche, Apfel und Birne ab. Die Obstmaden sind inzwischen in den Früchten aus dem Supermarkt selten geworden, aber bei der Ernte aus dem eigenen Garten werden sie Dir häufiger begegnen. Die Früchte verfärben sich, werden notreif und fallen ab. Nicht schlimm, so lange die Schädlinge an der Reneclode nicht überhand nehmen. Bekämpfen lassen sie sich mit Nützlingen wie speziellen Erzwespen oder Pheromonfallen, auch ohne Chemie.

Ein anderer wichtiger Obstschädling sind die Gelbe Pflaumen-Sägewespe (Holocampa flava) und die Schwarze Pflaumen-Sägewespe (Hoplocampa minuta). Die Larven fressen sich durch die Früchte und können ein vorzeitiges Abfallen verursachen. Auffällig ist der Befall durch die mit Kot bedeckten Löcher und einen intensiven Wanzen-artigen Geruch. Erwachsene Blattwespen legen ihre Eier zur Blütezeit ab; daher lassen sie sich mit klebrigen Weißfallen fangen, wenn man diese in die blühenden Bäume hängt.

Hinweise zur Ökologie und zur Bekämpfung von Pflaumenwickler und Pflaumensägewespe findest Du unter anderem auf den Seiten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Problematisch kann die Scharka-Krankheit werden, die durch die Pflaumenblattlaus (Brachycaudus spec.) übertragen wird. Die durch das Plum Pox Potyvirus (PPV) hervorgerufene Viruserkrankung führt zu verfärbten Blätter und beulenartig deformierten Früchten und ist laut Scharkaverordnung (ScharkaV) meldepflichtig. Das betrifft zwar vor allem Baumschulen und den gewerblichen Obstanbau, aber auch Du solltest die befallenen Bäume roden und virussicher entsorgen – also nichts für den Kompost. Die Virose breitet sich schnell auf andere Pflaumen, Pfirsische, Nektarinen und Aprikosen aus. Es gibt übrigens auch vermehrt Sorten, die gegen die Scharka-Krankheit resistent sind.

Nicht ganz so dramatisch sind Gallmilben, Spinnmilben und Schildläuse, Pilzerkrankungen wie Verticillium-Welke, Schrotschusskrankheit (Wilsonomyces carpophilus) und Sprühfleckenkrankheit (Blumeriella jaapii), Valsakrankheit (Leucostoma cincta) und Milchglanzkrankheit (Stereum purpureum). Narrentaschen werden von Taphrina pruni hervorgerufen; damit bezeichnet man deformierte Früchte, die sich braun verfärben und bisweilen nur noch aus einer leeren Hülle bestehen. Monilia tritt mit Spitzendürre und Fruchtfäule bei der Reneklode öfter auf als bei anderen Pflaumen.

Ökologie

Mit seinen nektar- und pollenreichen Blüten ist die Reneklode ein guter Futterlieferant für Honigbienen und Wildbienen, die sich in großer Zahl einfinden. Vor allem Sandbienen sind im zeitigen Frühjahr häufig zu sehen.

Für die Blätter als Raupenfutter interessieren sich vermutlich die gleichen Schmetterlinge wie bei der Stammart, der Hauspflaume, auch wenn es dazu keine dezidierten Informationen zu geben scheint. An den Zwetschgenblättern finden sich 28 Falter, vor allem Nachtfalter ein.

Reife Früchte werden gerne von Vögeln angepickt, heruntergefallene von Kleinsäugern angeknabbert. Leicht vergoren sind sie eine Attraktion für Wespen, die sich bei dieser Gelegenheit auch gleich die passende Fleischbeilage in Form von Fliegen, Bienen und Schwebfliegen besorgen.

Wissenswertes

Der Name der Reneklode: Von Süleyman dem Prächtigen zur Königin Claudia

Der deutsche Name der Reneklode ist eine Verballhornung des französischen reine Claude, Königin Claudia von Frankreich (1499-1524) und Gattin von Franz I (François I). Die Geschichte begann in Moissac, wo man eine grüne Pflaume an einem aus Konstantinopel stammenden Baum fand und vermehrte. Dieser stammte aus der Vermehrung eines Geschenks, das der Sultan Süleyman I. der Prächtige dem besagten König Franz I. hatte zukommen lassen. Andere Quellen besagen, dass der Sultan dem französischen Botschafter schon gleich eine grünfrüchtige Pflaume mitgegeben hat und diese nicht erst in Okzitanien mutiert sein soll.

Ein süß-saftiges Mittelding

Das Fruchtfleisch der Reneklode ist besonders süß und saftig und hat eine grünlich-weiße Farbe. Mitunter lästig: Die Steinkerne lassen sich oft nicht ganz so leicht entfernen wie bei vielen anderen Verwandten. In ihrer Größe liegt die Reneklode zwischen der deutlich größeren Rundpflaume, wie man sie in gelb und violett im Supermarkt bekommt, und der kleineren Mirabelle in gelb. Dagegen ist diese hier meistens quietschegrün und ändert auch während des Reifeprozesses ihre Farbe nicht.

Noch mehr Renekloden: Sorten

Beliebte Sorten der Reneklode sind

  • Boddarts Reneklode‘ mit besonders großen Früchten
  • Goldust‘, auch als Zwerg-Reneklode oder Mini-Reneklode bezeichnet
  • Graf Althanns Reneklode‘, robuste alte Sorte mit grüngelben Früchten
  • Große Grüne Reneklode‘, alte Sorte, grüne Früchte, resistent gegen Scharka, beliebt zum Einmachen
  • Meroldts Reneklode‘, sehr selten gewordene uralte Sorte
  • Uhinks Reneklode‘, alte Sorte

und natürlich die Klassiker aus dem französischen Mutterland,

  • Reine Claude d’Althan‘, rotviolette Früchte
  • Reine Claude d’Oullins‘ mit gelbem Fruchtfleisch, Ende Juli reifend
  • Reine Claude de Bavay‘, besonders große grüngelbe Früchte
  • Reine Claude Diaphane‘, grüne Früchte mit roten Streifen
  • Reine Claude Verte‘ oder ‚Reine Claude Dorée‘ mit grünen bis gelben Früchten
  • Reine Claude Mossaic‘, zahlreiche und frühe Früchte

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Mirabellen und Renekloden?

Mirabellen und Renekloden ähneln sich sehr und zeichnen sich durch kugelige Früchte mit rundlichen Steinkern und eine weißlich bereifte Fruchtschale aus. Allerdings sind die Mirabellen stets deutlich kleiner als die 3-5 Zentimeter großen Renecloden, und sie sind in aller Regel gelb, wohingegen Renecloden eine eher grüne Färbung aufweisen. Sie sind auch etwas süßer, und die Kerne lassen sich leichter entfernen als bei der grünen Verwandtschaft.

Im Garten sind die Mirabellen anspruchsvoller als Renekloden. Sie brauchen mehr Wärme und sind auch beim Boden wählerischer als die fast überall gedeihenden sonstigen Pflaumen.

Wie schmecken Renekloden?

Ziemlich lecker. In Sachen Saftigkeit und Aroma lassen sie viele ihrer Verwandten hinter sich. Sie wurde bereits als die „Königin aller Pflaumen“ gepriesen. Lästig ist bestenfalls der oft recht festsitzende Kern. Ihre Größe liegt irgendwo zwischen den gelben und violetten Rundpflaumen und der gelben Mirabelle, die Farbe ist meistens grün oder gelblichgrün, auch wenn die Früchte bereits die volle Reife erreicht haben.

Wann ist die Reneklode reif?

Je nach Wetterlage und Sorte reifen die Renekloden ab Anfang bis Mitte August. Die Saison ist relativ kurz, zumal sich die Früchte auch bei Kühlung nicht ewig halten. An der Farbe darf man sich nicht stören: Sie bleiben grün, obwohl sie schon längst reif sind. Auf eine Verfärbung kannst Du also lange warten. Hinweise auf eine gute Reife gibt ein Druck auf die Frucht: Unreif ist sie steinhart, reif gibt sie etwas nach.

Wie sehen Renekloden aus?

Renecloden sind kugelrund, mit einer Bauchnaht und einem saftigen und aromatischen Fruchtfleisch. Die Farbe ist außen grün oder geht ins gelbliche, im Inneren sind die Früchte oft eher gelblich als grün. Bisweilen sind sie rötlich überhaucht, und fast immer erkennt man einen deutlichen weißlichen Reif, der sich leicht wegwischen lässt. Im Inneren sitzt ein breit-ovaler Steinkern mit kleiner Spitze, in dem sich der Samen versteckt. In der Größe liegen sie zwischen den Rundpflaumen und Mirabellen.

Sind Renekloden gesund?

Wohl kein Obst ist wirklich ungesund. Renekloden können nicht nur mit reichlich Vitamin C, Vitamin E und Provitamin A auftrumpfen, sie enthalten auch reichlich Mineralstoffe und Spurenelemente und jede Menge Ballaststoffe. Und das mit ziemlich wenig Kalorien – 100 Gramm haben 62 kcal. Dabei schmecken die Früchte süß und aromatisch.

Ökologischer Wert

Reneklode in Mitteleuropa heimisch und dürfte deshalb einen Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. haben.

Insekten

Nektarwert:
2
Pollenwert:
2