Schwarz-Pappel,Saarbaum

Populus nigra

Gehölz
Wildform
Super Insektenpflanze
Frühblüher
Schwarz-Pappel (Populus nigra) Alle 4 Fotos anzeigen
Quelle: AndersenAnders, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
  • Bis zu 25 Meter hoher knorriger Baum mit lichter Krone und schwarzer Rinde
  • Typische rhombenförmige, oberseits glänzende Blätter
  • Männliche rote und gelblichgrüne weiße Kätzchen auf getrennten Bäumen
  • Blütezeit bereits in März und April
  • Wichtiger Lieferant von Propolis für Honigbienen
  • Raupenfutter für 39 Schmetterlinge
  • Pappelsamen bei Vögeln zum Polstern der Nester beliebt
  • Braucht einen feuchten und nährstoffhaltigen Boden
  • Pappelsalbe als altes Hausmittel gegen Entzündungen
  • Wildbestände in Auwäldern mittlerweile bedroht und auf der Roten Liste
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 20 - 25 m
Breite: 3 - 5 m
Zuwachs: 40 - 70 cm/Jahr
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: gelb
Blühzeit:
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Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: frisch bis trocken
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
PH-Wert: basisch / kalk
Sonstiges
Ordnung: Malpighienartige
Familie: Weidengewächse
Gattung: Pappeln
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Schwarz-Pappel?

Die Schwarz-Pappel oder Saarbaum (Populus nigra) ist ein schnellwüchsiger und breitkroniger, bis zu 25 Meter hoher Baum aus der Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Beheimatet ist sie in West- und Zentralasien sowie im Nordwesten Afrikas und kommt in Europa von den Pyrenäen über Frankreich, Südengland, Deutschland und Polen bis nach Russland, in Italien und auf dem Balkan vor. Vor allem in den zeitweisen überschwemmten, lichten Auwäldern der großen Flüsse prägt sie zusammen mit Weiden das Landschaftsbild; vereinzelt steigen sie aber auch in den Gebirgen wie den Alpen bis auf eine Höhe von 1.400 Meter auf. Die wilden Vorkommen beschränken sich auf die Flusslandschaften der großen Flüsse, angepflanzt ist sie wesentlich häufiger.

Die knorrigen und unregelmäßig verzweigten sommergrünen Bäume haben eine dicke, rissige und längsgestreifte dunkelgraue bis schwarze Borke. Nur die jungen Zweige fallen durch ihre glänzend gelbbraune Farbe aus der Reihe; sie sind rund, kahl ohne Korkrippen und knotig mit anliegenden länglich-ovalen, spitzen und klebrigen Winterknospen. Unterirdisch treiben sie reichlich Wurzelsprosse, mit denen sie sich schnell in der Umgebung ausbreiten.

Auf einen 2-6 Zentimeter langen Blattstiel folgt eine dreieckige bis rautenförmige Blattspreite mit breit keilförmig verschmälertem Grund und gerade auslaufender Spitze. Die Blätter erreichen eine Länge und Breite von 5-8 Zentimetern, sind anfangs oft spärlich behaart und im Alter kahl, auf der Oberseite dunkelgrün glänzend und heller grün und matt auf der Unterseite. Der Blattrand ist gleichmäßig fein gezähnt, und die Blattnerven treten auf der Unterseite stärker hervor. Junge Blätter sind bronzefarben, und gegen Ende des Jahres kommt es zu einer gelben Herbstfärbung.

Noch vor dem Laubaustrieb erscheinen die unbehüllten Blüten nach Geschlechtern getrennt auf verschiedenen Bäumen. Die schlaff herabhängenden männlichen Kätzchen werden bis zu neun Zentimeter lang und fallen mit ihren 6-30 anfangs purpurnen, später gelben Staubbeuteln auf. Dagegen bestehen die Blüten der weiblichen, bis 10 Zentimeter langen Kätzchen aus deutlich gestielten Fruchtknoten mit jeweils zwei grüngelben Narben. Aus ihnen entwickeln sich die kapselförmigen Früchte, die im Mai ausgereift aufplatzen und unzählige haarig beschopfte Pappelsamen freisetzen. Sie bleiben bei wenig Wind oft lange am Baum und bilden teils riesige Wattebausch-ähnliche Knäuel.

Schwarz-Pappel im Garten

Standort

Als Auwaldbewohner ist die Schwarz-Pappel ein großer Liebhaber von feuchten Böden; wenigstens in der Tiefe und zumindest zeitweise muss das Substrat ordentlich feucht sein, gerne auch mal überschwemmt. Sie bevorzugt einen nährstoff- und basenreichen, rohen oder humosen und lockeren Ton- oder Lehmboden und viel Sonne und Wärme. Wie bei einem einheimischen Gehölz nicht anders zu erwarten ist sie vollkommen frosthart.

Schnitt und Pflege

Eine großartige Pflege ist bei der Schwarz-Pappel normalerweise nicht erforderlich – sie wächst am schönsten, wenn man sie einfach wachsen lässt. Das heißt aber nicht, dass Du sie nicht mit einem kräftigen Formschnitt nach Deinen Wünschen zähmen kannst – sie ist wie alle Weidengewächse gut schnittverträglich und nimmt das nicht übel. Achten musst Du gegebenenfalls auf die Schösslinge; unbeaufsichtigt wachsen sie munter und machen sich im Garten breit.

Vermehrung

Vermehrung mit Samen ist möglich, aber eine deutlich langwierigere Angelegenheit als die mit Stecklingen. Steckreiser schneidet man ab besten im Winter. Darüber hinaus kannst Du Dir auch die zahlreichen Schösslinge vorknöpfen, die man am besten im Herbst oder im Spätwinter ausgräbt und vereinzelt.

Verwendung

Die Wildform der Schwarz-Pappel ist mit ihrer Endhöhe von bis über 25 Metern eher etwas für den großen Garten. Dort pflanzt man sie meist als Solitär an einer feuchten Stelle, die noch zu erwähnende Pyramidenpappel bei sehr viel Platz auch in dekorativen Gruppen.

Schädlinge

Häufig finden sich Gallen an den Blättern der Schwarz-Pappel, aber hier ungewöhnlicherweise öfter an den Blattstielen als auf der Blattspreite. Diese spiralförmigen Blattstielgallen sind das Werk der Spiralgallenlaus (Pemphigus spirothecae), einer Blasenlaus, die ihre Eier an der Rinde ablegt. Voran geht eine Generationenfolge mit drei sich jungfräulich und einer sich sexuell fortpflanzenden Generation. Die Gewebewucherungen sorgen für eine dreifache Verdrehung des Blattstiels meist unmittelbar unter der Spreite. Im haarigen Inneren haust die Generationenfolge und entlässt Ende August die Geschlechtstiere über seitlich entstehende Fluglöcher.

Von den vielen Nachtfaltern, die sich über die Blätter, Triebe oder Rinde der Schwarz-Pappel hermachen, sind die des Weidenbohrers (Cossus cossus) und des Pappelspinners (Leucoma salicis) nicht so gerne gesehen. Die glänzend roten Weidenbohrer-Raupen werden bis zu zehn Zentimeter lang und haben einen schwarzen Kopf. Sie fressen sich durch die Rinde in das Holz und fallen schon von weitem durch einen essigartigen Geruch auf.

Mit nur vier Zentimetern Länge sind die Pappelspinner-Raupen kleiner, aber auffälliger: Ihre Farbe ist graublau, mit weißen Flecken auf dem Rücken, leuchtend roten Punktwarzen und langen borstigen Haaren. Früher sorgten die agilen Fressmaschinen häufig für kahle Pappelalleen, aber seit einem halben Jahrhundert kommt das kaum noch vor. Klingt nicht nach einer guten Nachricht, sondern sollte uns eher zu denken geben…

Ökologie

Die einheimische Schwarz-Pappel ist ökologisch vor allem für Schmetterlinge interessant: 39 Arten nutzen sie als Raupenfutter. Darunter sind vor allem nachtaktive Spinnerartige, Eulen und Spanner, aber auch drei Tagfalter, die uns am ehesten zu Gesicht kommen: der Kleine und der Große Schillerfalter (Apatura ilia und Apatura iris) sowie der Große Eisvogel (Limentis populi).

Honigbienen sammeln auch den klebrigen Baumsaft der Winterknospen, um daraus ihr universelles Desinfektionsmittel Propolis herzustellen. Das reichlich gebildete Schwarzpappelharz gilt als eine ihrer wichtigsten Propolisquellen.

Die Verbreitung der Samen übernimmt dank des weißen Haarschopfes der Wind. Für die haarigen Büschel sind Vögel dankbar, die damit ihre Nester auspolstern. Gar nicht so dumm, denn auf die gleiche Idee kamen auch die Menschen, die den Pappelflaum früher als Kissenfüllung verwendeten. Einige der größeren Vogelarten wie Tauben und Elstern bauen gerne ihre Nester in den hohen Wipfeln.

Mittlerweile gelten die Wildbestände der Schwarz-Pappel, die bei uns nur an den Ufern von Rhein, Donau, Main, Elbe, Oder und Havel vorkommt als gefährdet. Für den Platz auf der Roten Liste ist vor allem der Rückgang der natürlichen Lebensräume der Auenlandschaften verantwortlich, aber auch das Vordringen der konkurrenzstärkeren hybriden Kanadischen Pappel (Populus x canadensis), welche die Forstwirtschaft als Lieferant von Weichholz in großen Beständen anbaut.

Wissenswertes

Schwarzpappel und Weißpappel – der Unterschied

Hier wird schwarz-weiß gepappelt: Tatsächlich gibt es außer der Schwarz-Pappel auch eine Weiß-Pappel (Populus alba), die auch als Silberpappel bezeichnet wird. Einer der Hauptunterschiede ist die Rinde, die einmal schwarz, einmal silbrig-weiß ausfällt. Die Schwarz-Pappel verträgt es auch etwas trockener als die Silber-Pappel, die besonders viel Wasser benötigt.

Die Schönsten sterben früh: Säulen- oder Pyramidenpappel

Als Alleebaum, in Parkanlagen und zur Bepflanzung von Flussufern kommt vor allem eine spezielle Wuchsform der Schwarz-Pappel zum Einsatz, die Säulen- oder Pyramiden-Pappel (Populus nigra ‚Italica‘). Sie kam Mitte des 18. Jahrhunderts nach Deutschland und ist heute weit verbreitet. Besondere Kennzeichen sind der bereits tief unten verzweigende Stamm mit straff aufrechtstehenden Ästen – genau das Bild eines säulenförmigen Baumes, was Otto Normalgärtner von einer Pappel hat. Der einzige Haken an der Säulenpappel: So alt wie die Wildform mit bis zu 400 Jahren wird sie lange nicht. Zeigen sich in den Wipfeln die ersten verdorrenden Zweige ist sie im Greisenalter und wird bald absterben.

Die Wiederentdeckung der Schwarz-Pappel als Heilpflanze

Als Heilpflanze wird die Schwarz-Pappel in der Volksmedizin ebenso lange benutzt wie die anderen Pappelarten. Legendär ist die Pappelsalbe Unguentum populi, die man bis heute aus den klebrigen Winterknospen gewinnt. Sie enthält ähnlich heilsame Substanzen wie die Weidenrinde und neben Kopfschmerzen linderndem Salicin Flavonoide und phenolische Substanzen. Diese wirken entzündungshemmend und galten früher als Allheilmittel bei entzündlichen und geschwürigen Erkrankungen von Haut und Schleimhäuten. Heute besinnt man sich erneut auf diese bioaktiven Komponenten und konnte in einer Reihe von Studien nachweisen, dass diese auch antioxidativ, antibakteriell, fungizid, antidiabetisch, blutdrucksenkend und leberschützend wirken und die Melaninproduktion beeinflussen.

Dass Hildegard von Bingen Säuglinge mit Blutergüssen in Blätter der Schwarz-Pappel zu hüllen empfohlen haben soll ist ein Gerücht, das die Wikipedia in die Welt gesetzt hat: In ihrer Physica ist nicht von der Schwarz-Pappel, sondern von der aspa, der Espe oder Zitterpappel (Populus tremula) die Rede.

Fotos

Gesamte Pflanze Schwarz-Pappel
Quelle: AndersenAnders, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Schwarz-Pappel
Quelle: Matt Lavin from Bozeman, Montana, USA, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Blüte Schwarz-Pappel
Quelle: Stefan.lefnaer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Rinde Schwarz-Pappel
Quelle: ??????? ???????? / Dimìtar Nàydenov, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Sorten Schwarz-Pappel

Sorte Höhe Breite
Schwarz-Pappel (Wildform) 20 - 25 m 3 - 5 m
Pyramiden-Pappel 2 - 25 m 3 - 5 m

Häufige Fragen

Wie groß wird die Schwarz-Pappel?

Die Schwarz-Pappel (Populus nigra) kann eine Höhe von 20-25, selten auch bis zu 30 Meter erreichen und wird bis zu fünf Meter breit.

Wie alt wird Schwarz-Pappel?

Schwarzpappeln werden bis zu 400 Jahre alt, die meisten aber bestenfalls bis zu 200. Die ganz alten Bäume haben des Öfteren einen Stammdurchmesser von mehr als zwei Metern.

Was macht man mit Pappelholz?

Jedes Pappelholz ist relativ weich und gut zu bearbeiten, aber das der Schwarz-Pappel gilt als das beliebteste Weichholz. Es hat einen weißen Splint und einen hellbraunen Kern, schwindet beim Trocknen nur mäßig und nutzt sich nur langsam ab. Daher verwendet man es gerne für Möbel, Holzschuhe, Rührlöffel, Spanschachteln oder Transportkisten. Die früher nach Amputation üblichen Holzbeine hat man fast ausschließlich aus Schwarzpappelholz gefertigt, bevor sie von den modernen Prothesen verdrängt wurden. Dafür sind die Körbchen für Erdbeeren und anderes Obst bis heute aus Schwarzpappelholz.

Für Schnitzarbeiten ist das Holz der Schwarz-Pappel ähnlich beliebt wie Lindenholz. Der große Vorteil: Sie wächst wesentlich schneller als Sommerlinde und Winterlinde, sodass ihr Pappelholz wesentlich billiger ist. Die Holzplastiken des 13. und 14. Jahrhunderts haben europäische Bildhauer vorwiegend aus diesem Material geschnitzt, davor und danach waren Linde und Ahorn ähnlich beliebt.

Wann blüht die Schwarz-Pappel?

Die männlichen und weiblichen Kätzchen der Schwarz-Pappel erscheinen im März und April. Die nach der Bestäubung gebildeten Kapseln reifen anschließend im Mai; dann platzen sie auf und entlassen ganze Büschel weiß behaarter Pappelsamen.

Welche Farbe haben die Blüten der Schwarz-Pappel?

Kommt darauf an, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Pappeln sind diözisch, also zweihäusig, sodass es männliche und weibliche Bäume gibt. Die Blüten haben alle keine Hüllblätter und bestehen nur aus dem Geschlechtsapparat. Weibliche Blüten mit ihren gestielten Fruchtknoten sind gelblichgrün, die 6-20 Staubblätter der männlichen Blüten tragen anfangs purpurrote Staubbeutel, die sich öffnen und dann durch den Pollen gelb aussehen.

Ökologischer Wert

Schwarz-Pappel ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
39
Dient als Futterplanze für Raupen:
44

Schmetterlingspflanzen

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