Gewöhnlicher Judasbaum

Cercis siliquastrum

Gehölz
Wildform
winterhart
bedingt essbar
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Gesamte Pflanze von Gewöhnlicher Judasbaum

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aus der Mittelmeerregion stammendes Ziergewächs aus der Familie der Hülsenfrüchtler
  • Bis zu sechs Meter hoher Strauch oder Strauch
  • Herz- bis nierenförmige dunkelgrüne Blätter
  • Rosa Blüten erscheinen vor den Blättern direkt an den Ästen und Stämmen
  • Frucht eine bohnenförmige Hülse mit linsenähnlichen Samen
  • Vor allem in der Jugend frostempfindlich, später winterhart
  • Für einen durchlässigen, feuchten und nährstoffhaltigen Boden mit Sonne oder Halbschatten
  • Leicht giftig, Saft hautreizend, Blüten essbar
  • Von Bienen bestäubt
  • Robust, unempfindlich gegenüber Krankheiten und Schädlingen
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 3,5 - 6 m
Breite: 2 - 4 m
Zuwachs: 25 - 50 cm/Jahr
Wurzelsystem: Tiefwurzler
Frostverträglich: bis -23 °C (bis Klimazone 6)
Blüte
Blütenfarbe: pink
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: normal
Wasser: trocken
Sonstiges
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige
Familie: Hülsenfrüchtler
Gattung: Judasbäume
ist essbar Blatt,Blüte,Schoten
ist giftig

Was ist Gewöhnlicher Judasbaum?

Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist in der Region von der nördlichen Adria über den Balkan und Kleinasien bis nach Syrien und Iran beheimatet. Dort wächst er in Mischwäldern mit Hopfenbuchen und Hainbuchen, gerne an Gewässern entlang oder an felsigen Hängen mit kalkigem Grund.

Es handelt sich dabei um einen sommergrünen, mäßig verzweigten und bis zu sechs Metern hohen Baum oder mehrstämmigen Strauch mit einer dunkelbraunen, fein gefelderten Borke. Die jungen Zweige sind dunkelbraun bis rötlich, kahl und schwach bereift; die Verzweigungen stehen meist in einer Ebene. Seine Winterknospen werden 5-9 Millimeter lang und sind länglich-eiförmig mit einer kleinen Spitze.

Die wechselständig stehenden Laubblätter des Gewöhnlichen Judasbaumes sind 3-4,5 Zentimeter lang gestielt, mit einer rundlichen, nierenförmigen oder herzförmigen Spreite, die 6-11 Zentimeter groß wird. Auf der Oberseite sind sie dunkelgrün, unterseits graugrün, beiderseits kahl und mit einem ganzen Rand. Die Nebenblätter am Grund der Blattstiele sind nur kurz haltbar und fallen bald ab.

Die Blüten erscheinen noch vor den Blättern an mindestens zweijährigen Trieben. Sie stehen zu 3-8 Exemplaren in kurzen Trauben direkt auch an älteren Ästen und sind fünfzählig, zwittrig und zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Ihr Kelch ist glockig, die Krone etwa zwei Zentimeter lang und rosafarben. Die Fahne der typischen Schmetterlingsblüten wird von drei aufrechten, das Schiffchen von zwei großen und im rechten Winkel dazu stehenden Blütenblättern gebildet. Im Schiffchen versteckt sind 10 freie Staubblätter und das Fruchtblatt.

Als Frucht wird eine bohnenähnliche flache Hülse von 10-12 Zentimetern Länge gebildet. Sie öffnet sich bei der Reife auf der Rückseite nur wenig und gibt einen schmalen Spalt frei. Dadurch bleiben die fünf Millimeter breiten linsenförmigen Samen oft bis ins nächste Frühjahr in den dunkelbraunen und kahlen Hülsen, die ebenfalls lange stehenbleiben.

Gewöhnlicher Judasbaum im Garten

Standort

Der Gewöhnliche Judasbaum braucht einen fruchtbaren, feuchten und tiefgründigen, gut wasserdurchlässigen Lehmboden mit voller Sonne oder zumindest Halbschatten. Staunässe mag er überhaupt nicht, längere Trockenphasen machen ihm hingegen nichts aus. Er verträgt ein Umpflanzen im Alter nur sehr schlecht, sodass man ihn am besten gleich mit Bedacht an der richtigen Stelle platziert. Als Jungpflanzen sind die Bäume frostempfindlich, und ihre grünen Zweige sterben bei Kälte ab. Später sind sie voll winterhart.

Schnitt

Der Schnitt erfolgt beim Judasbaum vorzugsweise in der Ruhephase, also im Winter oder im zeitigen Frühjahr. Dazu entfernt man lediglich schiefe und sich überkreuzende Zweige, um die Krone schön und gesund zu halten. Für das extrem harte Holz braucht man eine gute Heckenschere oder eine scharfe Säge. Beim Hantieren sollte man unbedingt Handschuhe anziehen, denn der Saft kann beim Kontakt mit der Haut zu Rötungen und allergischen Reaktionen führen.

Vermehrung

Die Samen kann man im Herbst aussäen; vegetativ lässt sich der Judasbaum mit Stecklingen vermehren. Bei den verschiedenen im Handel erhältlichen Sorten ist das die einzige Möglichkeit, die typischen Eigenschaften zu erhalten. Am schnellsten kommt man natürlich mit jungen Bäumchen aus Baumschule oder Gartenfachhandel voran. Diese pflanzt man im Frühjahr oder Herbst direkt an Ort und Stelle.

Verwendung

Größere Judasbäume geben schöne Solitäre ab, und kleinere Exemplare lassen sich gut in Strauchrabatten und an Mauern pflanzen.

Schädlinge

Schädlinge und Krankheiten sind beim Gewöhnlichen Judasbaum eher die Ausnahme, denn er gilt als ausgesprochen robust. Bisweilen finden sich Schildläuse und Zwergzikaden, Verticillium-Welke oder krebsartige Wucherungen vor allem bei älteren Bäumen.

Ökologie

Bestäubt wird der Judasbaum fast ausschließlich von Honigbienen. Die Verbreitung der Samen erfolgt mit dem Wind, der sie nach und nach aus den Schoten herausschüttelt.

Wissenswertes

Das genaue Ursprungsgebiet des Judasbaumes lässt sich nicht mehr rekonstruieren, da die Bäume schon in der Frühzeit kultiviert wurden und leicht auswildern. Früher zählte man ihn zur Familie der Caesalpinengewächse (Caesalpinaceae), die mit 180 Gattungen und 3.000 Arten vor allem in den Tropen und Subtropen der Welt beheimatet sind. Nach Mitteleuropa gelangten die ersten Exemplare im 16. Jahrhundert, wie die ersten schriftlichen Quellen vermuten lassen.

Ungewöhnlich ist seine Stammblütigkeit oder Cauliflorie: Die Blüten erscheinen sowohl an älteren Zweigen wie auch direkt am Stamm selbst. So etwas kennt man in ganz Mitteleuropa sonst nur noch vom Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua), wohingegen die Stammblütigkeit in den Tropen wesentlich öfters auftritt, am bekanntesten beim Kakaobaum (Theobroma cacao). Normalerweise ist Kauliflorie ein Zeichen für Fledermäuse als Bestäuber, die deutlich schwerer sind als Insekten und daher mehr Halt benötigen. Dessen ungeachtet werden Judasbaum und Johannisbrotbaum ganz unspektakulär von Bienen bestäubt.

Neben der Wildform bekommt man im Gartenfachhandel auch einige Zuchtsorten und Formen wie die weißblühende Cercis siliquastrum f. alba und Cerics siliquastrum ‚Bodnant‘ mit dunkelrosa Blüten.

Fotos

Gesamte Pflanze Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: NaturaDB
Blatt Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: NaturaDB
Blatt Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: NaturaDB
Blatt Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: NaturaDB
Blatt Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: JLPC, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Frucht Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: MichielSt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Rinde Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: Didier Descouens, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: Zeynel Cebeci, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Gewöhnlicher Judasbaum
Quelle: Zeynel Cebeci, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wie groß wird ein Judasbaum?

Das kommt maßgeblich auf den Standort an. Während er in unseren mitteleuropäischen Garten meist strauchförmig wächst und nur etwa sechs Meter Höhe erreicht, bildet er in der Mittelmeerregion imposante Bäume, die teilweise über 10 Meter hoch werden. Er wächst relativ breit und bildet im Alter eine schirmartige Krone, die im zeitigen Frühjahr noch blattlos, aber bereits im rosa Blütenschmuck erstrahlt.

Ist der Judasbaum giftig?

Der Judasbaum gilt als schwach giftig – man kann bestenfalls seine hübschen rosa Blüten bedenkenlos verzehren. In Mittelmeerländern und im Orient sind sie eine beliebte Dekoration beim Essen. Dahingegen rufen die Früchte und Blätter in größeren Mengen Übelkeit und Erbrechen hervor. Sein Saft kann Hautreaktionen hervorrufen, daher sollte man beim Schnitt sicherheitshalber Handschuhe anziehen.

Ist der Judasbaum winterhart?

Im Alter ist ein Judasbaum vollkommen winterhart. Vor allem in der Jugend können ihm aber Fröste gefährlich werden. Bei starken Minustemperaturen erfrieren die noch grünen Zweige; allerdings treibt der Baum danach ungehindert neu aus.

Wann Judasbaum schneiden?

Schneiden sollte man den Judasbaum in der Ruhezeit -also am bestem im Winter oder im Frühjahr, bevor die ersten Blüten erscheinen. Es sollte dabei aber nicht gerade strenger Frost herrschen, denn das mögen die Schnittstellen nicht. Ebenso sollte man beim Schnitt Handschuhe tragen, um die Haut vor dem reizenden Saft des Baumes zu schützen.

Wann blüht der Judasbaum?

Der Gewöhnliche Judasbaum Cercis siliquastrum blüht im April und Mai, noch bevor das erste Laub an den Ästen erscheint. Die kleinen Trauben mit rosa Blüten erscheinen direkt am Stamm und an den Ästen – oft auch noch nach Jahren.

Warum heißt der Baum Judasbaum?

Der Gattungsname cercis leitet sich vom griechischen Wort für das Weberschiffchen ab, dem die braune pergamentartige Frucht ähnelt. Bei Aristoteles wird cercis für die Zitterpappel (Populus tremulans) verwendet, weil das Rauschen ihrer Blätter dem Rascheln der Schiffchen beim Weben gleicht. Dagegen stammt der Artname siliquastrum vom lateinischen siliqia für Hülsenfrucht. Den deutschen Namen rührt der Legende nach daher, dass sich Judas Ischariot nach dem Verrat an Jesus an einem dieser Bäume erhängt haben soll. Seine Blüten haben sich daraufhin vor Scham rot verfärbt und sind es bis heute geblieben.

Wie vermehrt man einen Judasbaum?

Den Judasbaum kann man entweder als kleines Bäumchen fertig kaufen, oder man nimmt Stecklinge und bewurzelt sie in Anzuchterde. Auch eine Vermehrung mit Samen ist möglich; dazu muss man die kleinen Linsen aus ihren Hülsen befreien und am besten im Herbst aussäen.

Ökologischer Wert

Gewöhnlicher Judasbaum nicht heimisch und hat nach unseren Informationen keinen (großen) Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co.

Insekten

Nektarwert:
2
Pollenwert:
2

Bienenweiden mit Nektar- und Pollenwerten