Acker-Gauchheil,Roter Gauchheil, Nebelpflanze, Weinbergsstern, Wetterkraut

Anagallis arvensis

Einjährige
Wildform
lange Blühzeit
Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) Alle 2 Fotos anzeigen
Quelle: Christian Fischer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimisches, weit verbreitetes Ackerunkraut
  • Tief wurzelnd, mit kriechenden Ausläufern und kleinen gegenständigen Blättern
  • Typische sternförmige rote Blüten
  • Neigt zur Selbstaussaat; einjährig
  • Leichte Vermehrung mit Samen
  • Bestäubung vor allem durch Fliegen
  • In allen Teilen giftig, vor allem Wurzeln und Samen
  • Saft kann allergische Hautreaktionen hervorrufen
  • Auch für Haustiere wie Rinder, Kaninchen und Geflügel bedenklich
  • Alte Heilpflanze, heute nur noch von Homöopathie und Anthroposophie genutzt
Wuchs
Pflanzenart: Einjährige
Höhe: 5 - 25 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: blau
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne
Boden
Boden: humos bis lehmig
Wasser: frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Heidekrautartige
Familie: Primelgewächse
Gattung: Gauchheil
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Acker-Gauchheil?

Acker-Gauchheil oder Roter Gauchheil (Anagallis arvensis) ist ein altbekanntes Ackerunkraut und eine Heilpflanze, die in der Neuzeit etwas in Vergessen geraten ist. Inzwischen zählt man die einjährige krautige Pflanze zur Familie der Myrsinengewächse (Myrsinaceae). Man findet ihn häufig in Unkrautfluren, Äckern, Gärten und Weinbergen, auch in Getreidefeldern und an Schuttplätzen, beheimatet in der eurasischen Mittelmeerregion und weltweit als invasive Art verschleppt.

Die 10-25 Zentimeter hohen Pflanzen bilden eine bodenständige Halbrosette mit einer bis zu 40 Zentimeter langen Wurzel und weithin kriechenden und aufsteigenden vierkantigen Ausläufern. Daran sitzen paarweise gegenständig 15-25 Millimeter lange eiförmige Blätter mit ganzem Rand und ohne Blattstiel, die am Rand leicht nach unten gerollt erscheinen. Beim Zerreiben riechen sie streng aromatisch.

Die fünfzähligen sternförmigen und zwittrigen Blüten des Acker-Gauchheils erscheinen meist einzeln in den Achseln der oberen Stängelblätter. Sie sind bis zu fünfzehn Millimeter breit, am Rand wenig gekerbt mit zahlreichen kleinen Drüsenhaaren und Blütenstielen, die deutlich länger sind als die Blätter. Die Farbe der sieben Millimeter langen und sechs Millimeter breiten, verkehrt-eiförmigen Kronzipfel ist meist kräftig mennigrot, selten blau, fleischfarben, lila oder weiß. Die Kelchblätter bleiben deutlich kleiner, sodass bei der geöffneten Blüte nur die Spitzen erkennbar sind; an den Knospen erreichen sie rund Zweidrittel der Länge der Kronblätter. Der einfache Kranz von Staubblättern ist am Grund miteinander verwachsen. Die Kapseln enthalten 20-22 etwa 1,3 Millimeter lange und einen Millimeter breite braune Samen und öffnen sich an ihrer Spitze mit einem großen kappenförmigen Deckel.

Acker-Gauchheil im Garten

Standort

Der Acker-Gauchheil ist wenig anspruchsvoll, bevorzugt aber einen frischen, nährstoff- und basenreichen neutralen bis mäßig sauren humosen Lehmboden mit viel Licht und Wärme.

Schnitt

Ein Schnitt ist beim Acker-Gauchheil nur erforderlich, wenn man im Spätsommer und Herbst die Selbstaussaat verhindern möchte. Empfindliche Menschen sollten beim Hantieren mit der Pflanze sicherheitshalber Handschuhe tragen, denn der Saft kann allergische Hautreaktionen auslösen.

Vermehrung

Die Samen lassen sich im Frühjahr aussäen, und zudem sorgt der Acker-Gauchheil kräftig für Selbstaussaat.

Verwendung

Acker-Gauchheil ist ein dankbarer und pflegeleichter Bodendecker, der sich gut in Steingärten und Rabatten einsetzen lässt – auch wenn er im Garten weniger beliebt ist als nahe verwandte Anagallis-Arten, die noch reichhaltiger blühen und teils mehrjährige Stauden bilden.

Schädlinge

Anagallis arvensis ist ausgesprochen robust und wird wenig von Krankheiten oder Schädlingen heimgesucht. Blattläuse sind allerdings am frischen Grün häufig zu Gast.

Ökologie

Für den reichlich gebildeten und leicht zugänglichen Pollen des Acker-Gauchheils interessieren sich vor allem Fliegen; er kann sich aber auch selbst bestäuben. Für die Blätter als Raupenfutter interessiert sich der Graulinien-Zwergspanner Idaea subsericeata. Die Samen werden von Regentropfen weggeschleudert und fortgeschwemmt.

Wissenswertes

Der Gattungsname Anagallis kommt aus dem Griechischen und nimmt auf die zweite Blüte im Herbst Bezug: ?ν?, ana bedeutet wieder, ?γ?λλειν, agallein schmücken. Die Blüten schließen sich bereits um die Mittagszeit und ebenso zuverlässig, wenn Regen droht. Daher wurden die Pflanzen früher von Bauern zur Vorhersage des Wetters bei der Ernte verwendet.

Je nach der Farbe der Blüten unterscheidet man verschiedene Unterarten: während sie bei der Leitart Anagallis arvensis f. arvensis mennigrot sind, fallen sie bei der f. azurea blau, bei f. carnea fleischfarben, lila bei f. lilacina und weiß bei f. pallida aus. Die blauen Blüten lassen sich vom ähnlichen Blauen Gauchheil A. foemina anhand der Zahl der Drüsenhaare an den Kronblättern unterscheiden: bei diesen sind es maximal 15, bei A. arvensis 50-70.

Der Acker-Gauchheil ist eine alte Heilpflanze, die bereits in der Antike bekannt war und innerlich und äußerlich vor allem gegen Wunden, Warzen, Hautgeschwüre, Schlangenbisse und psychische Erkrankungen zum Einsatz kam. Ähnliche Anwendungen finden sich in den mittelalterlichen Kräuterbüchern – das seit dem 15. Jahrhundert übliche gouchheil leitet sich von gauch für Narr und heil für heilen ab. In den regionalen Bezeichnungen Narrenheil und Geckenheil lebt dieser Ursprung fort.

Heute spielen die Pflanzen vor allem wegen der stark schwankenden Anteile biologisch aktiver Substanzen in der Naturheilkunde keine Rolle mehr. Lediglich Homöopathie und anthroposophische Heilslehre nutzen potenzierte Tinkturen, bei denen die Giftstoffe bis zur Unschädlichkeit verdünnt wurden, gegen Entzündungen des Magen-Darm-Traktes.

Die ganze Pflanze, vor allem aber die Wurzeln und Samen enthalten etherische Öle, Saponine, Glykoside, Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe. Bei Einnahme größerer Mengen wirken sie abführend und beeinträchtigen das Nervensystem, sodass es zu Kopfschmerzen, Zittern und Benommenheit kommt. Die Pflanzen sind auch für Haustiere wie Rinder, Pferde, Hunde, Kaninchen und Geflügel giftig; wegen ihres bitteren Geschmacks machen die meisten Tiere aber einen Bogen um das Unkraut.

Die invasive Art ist heute dank des Ackerbaus kosmopolitisch verbreitet. Wie leicht sich die Samen ausbreiten sieht man am Straßenrand: Selbst auf Autobahnen bilden die charakteristischen Blüten vielerorts ein schmales rotes Band, ohne sich an Abgasen und Streusalz zu stören.

Fotos

Gesamte Pflanze Acker-Gauchheil
Quelle: Christian Fischer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Acker-Gauchheil
Quelle: Krzysztof Golik, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Was sind einjährige Pflanzen?

Einjährige Pflanzen keimen, wachsen und blühen innerhalb eines Jahres. Durch Versamen können sie sich erhalten und wieder am selben Standort erscheinen. Manche „wandern“ so durch den Garten und erfreuen uns an immer neuen Standorten.

Häufige Fragen

Was hat Gauchheil für eine Heilwirkung?

Der Acker-Gauchheil ist ein kleines unscheinbares Unkraut mit meist roten Blüten, das an Wegrändern und auf Äckern und Feldern häufig vorkommt. Es enthält etherische Öle, Saponine, Flavonoide sowie Tannine und Bitterstoffe, die man bereits in der Antike gegen psychische Erkrankungen wie Melancholie und Depressionen, gegen Hauterkrankungen wie Wunden, Warzen und Geschwüre und gegen Schlangenbisse einsetzte. Heute wird die Pflanze in der Naturheilkunde und Phytotherapie kaum noch benutzt, da die Wirkstoffgehalte je nach Standort und Wetterbedingungen unberechenbar schwanken. Lediglich Homöopathie und Anthroposophie verwenden Globuli und Komplexmittel mit Anagallis gegen Magen-Darm-Beschwerden und Hauterkrankungen.

Ökologischer Wert

Acker-Gauchheil in Mitteleuropa heimisch und dürfte deshalb einen Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. haben.

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