Grau-Erle

Alnus incana

Gehölz
Wildform
Wichtige Schmetterlingspflanze
Frühblüher
Grau-Erle (Alnus incana) Alle 5 Fotos anzeigen
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimisches Birkengewächs
  • Mehrstämmiger, bis zu 25 Meter hoher Baum mit glatter grauer Rinde
  • Spitzkegelige, später runde Krone
  • Gespitzte elliptische Blätter mit doppelt gesägtem Rand
  • Männliche Blüten in hängenden Kätzchen, weibliche Kätzen bilden rundliche Zapfen
  • Nussfrüchte mit schmalem Flügel
  • Verbreitung über Wurzelsprosse und Samen, sehr schnellwüchsig
  • Auch Vermehrung mit Stecklingen möglich
  • Raupenfutter für 13 Schmetterlinge
  • Pflegeleicht, robust und anspruchslos, Schneiden normalerweise nicht nötig
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 6 - 15 m
Breite: 4 - 12 m
Zuwachs: 20 - 35 cm/Jahr
Wurzelsystem: Herzwurzler
Blüte
Blütenfarbe: violett
Blühzeit:
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Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
PH-Wert: sauer
Sonstiges
Ordnung: Buchenartige
Familie: Birkengewächse
Gattung: Erlen
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Grau-Erle?

Grau-Erle oder Weiß-Erle (Alnus incana) gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae) und findet sich zerstreut und bestandsbildend in Nord-, Mittel- und Osteuropa von Deutschland bis zum Kaukasus und vom Balkan über die Apeninnen bis zu den Seealpen. Bei uns hat sie die Grenze ihrer westlichen Ausbreitung erreicht, und in der Norddeutschen Tiefebene und Schleswig-Holstein fehlt sie. Dagegen ist sie in Alpen und Voralpen, Rhön, Harz und im Rheinischen Schiefergebirge weit verbreitet. Dort wächst sie in den Auwäldern der Flüsse, an Gebirgsbächen, feuchten Hängen, auf Mergelrutschflächen und anderen sickernassen, nur zeitweise überfluteten Böden und oft vergesellschaftet mit Zitter-Pappel, Schwarz-Pappel, Moor-Birke, Eberesche, Traubenkirsche und Spitz-Ahorn. Wesentlich häufiger als die Wildbestände sind angepflanzte Exemplare, die man beispielsweise zur Hangsicherung anpflanzt.

Die Grau-Erle ist ein von Grund auf mehrstämmiger, 6-15 Meter, seltener bis zu 25 Meter hoher Baum mit einer dichten anfangs spitz konischen bis pyramidenförmigen, später rundlichen Krone. Ihre flachen Wurzeln sind sehr dicht und sorgen für jede Menge Wurzelsprosse in der Umgebung. Die glatte silbrig-graue Rinde reißt auch im Alter kaum auf und zeigt typische breite Bänder von Korkwarzen. Jung erscheinen die olivgrünen bis hellbraunen Zweige leicht zickzackförmig, mit rostfarbenen Lentizellen und einer dünn filzig behaarten Rinde, die später verkahlt. Die Winterknospen sind bis zu fünf Millimeter lang gestielt und von zwei rotvioletten, zottelig behaarten Schuppen und einer Wachsschicht bedeckt; sie sind nicht klebrig.

An 2-3 Zentimeter langen Stielen mit hinfälligen Nebenblättern stehen wechselständig die elliptischen bis ovalen, 4-10 Zentimeter langen Laubblätter; sie weisen eine kleine Spitze auf und haben einen scharf doppelt gesägten Rand. Ihre Oberseite ist dunkelgrün und kahl, die Unterseite bläulich- bis gräulich-grün und anfangs dicht mit grauem Filz bedeckt, der alsbald verschwindet. Unterseits treten die 8-12 Paare von Blattnerven deutlich hervor.

Grau-Erlen sind einhäusig mit eingeschlechtlichen Blütenständen, die lange vor dem Laubaustrieb erscheinen. Die endständigen männlichen Kätzchen stehen zu 3-5 Exemplaren und sind auffälliger als die unscheinbaren weiblichen; sie entstehen bereits im Vorjahr und überwintern. In der Blüte strecken sie sich auf 7-10 Zentimeter und hängen schlaff herab. Ihre Blütenhülle ist nur rudimentär vorhanden oder fehlt völlig, sodass sich die Blüten auf die vier Staubblätter und dunkelbraune Tragblätter beschränken.

Auch die weiblichen Kätzchen überwintern; sie stehen sitzend in den Blattachseln und werden 3-5 Millimeter groß. Sie bestehen aus 3-7 Teilblütenständen, die zusammen in der Reife einen 13-16 Millimeter langen, 10 Millimeter dicken graubraunen und holzigen Zapfen bilden. In diesem stehen die 3-4 Millimeter großen braunen, schmal geflügelten und einsamigen Nussfrüchte. Reif werden sie im September und Oktober, während die Blütezeit im März und April liegt. Herausfallen wollen sie allerdings oft erst spät im Winter oder im darauffolgenden Frühjahr, wenn die Zapfenschuppen gründlich ausgetrocknet sind.

Grau-Erle im Garten

Standort

Die Grau-Erle mag es nicht ganz so nass wie die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa); sie bevorzugt einen nährstoff- und basenreichen, vorzugsweise kalkhaltigen und durch Sand und Kies lockeren, rohen bis humosen Tonboden. Dabei wächst sie am besten mit reichlich Licht in der Sonne oder im Halbschatten. Die Bäume sind vollkommen winterhart.

Schnitt und Pflege

Einen kräftigen Rückschnitt verträgt die Grau-Erle ohne Probleme. Viel zu schneiden gibt es bei ihr allerdings nicht. Was nicht heißen soll, dass Du nicht jederzeit alte und vertrocknete Äste entfernen kannst. Schnittmaßnahmen finden am besten zwischen herbstlichem Laubwurf und Winter statt. Die Bäume sind robust und anspruchslos.

Vermehrung

Die Grau-Erle verbreitet sich selbst vor allem dank ihrer Wurzelbrut. Ansonsten ist auch eine Vermehrung mit Samen und Stecklingen möglich. Die Samen sollte man aussäen, sobald sie reif sind. Sämlinge erreichen bereits im ersten Jahr eine Höhe von einem halben Meter.

Verwendung

Als Intensivwurzler ist die Grau-Erle ein guter Bodenfestiger; zudem sammelt sie mit ihrer Mykorrhiza Stickstoff und reichert so nitratarme Böden mit Nährstoffen an. Daher wird sie in der Forstwirtschaft gerne als Vorholz genutzt. Im Garten ist sie wegen ihres hübschen Laubes mit den weißen Unterseiten gefragt; sie machen sich an den feuchten Ufern eines Gartenteiches oder Bachlaufes am besten und bieten dabei auch einen schnellwachsenden Windschutz.

Schädlinge

Grau-Erlen sind vor allem für Phytophthora anfällig, die mit faulenden Wurzeln und Stämmen zum Erlensterben führt. Ansonsten sind sie recht robust, wenngleich kurzlebig.

Ökologie

Bei uns gibt es nur noch rudimentäre Bestände des früher häufigen Haselhuhns (Tetrastes bonasia). Für die Vögel sind die Winterknospen und männlichen Kätzchen das wichtigste Winterfutter.

Dreizehn Schmetterlinge nutzen die Grau-Erle als Raupenfutter, allesamt Nachtfalter wie die Erlen-Pfeileule (Acronicta cuspis) oder die Graue Erlen-Holzeule (Lithophane consocia).

Die rudimentären Flügel der Früchte lassen die Nüsse mit dem Wind nur kurze Strecken fliegen; offenbar ist an den natürlichen Standorten die Verbreitung mit Wasser und Regen wichtiger, denn sie sind gut schwimmfähig.

Wissenswertes

Die Grau-Erle gehört zu unseren kurzlebigsten Bäumen und wird oft nur um die 50 Jahre alt. In dieser Zeit wächst sie aber reichlich, da sie bis in den späten Hochsommer fleißig weiter austreibt.

Das weiche und mittelschwere Holz der Grau-Erle ist weniger beständig als das ihrer nahen Verwandten Schwarz-Erle. Zudem sind ihre Stämme durch den fast strauchartigen Wuchs in aller Regel wesentlich dünner und oft krumm oder drehwüchsig. Daher verwendet man das Grauerlenholz vor allem für Span- und Faserplatten, die Papierherstellung und zum drechseln. Unterscheidungsmerkmale von der schwarzen Variante sind die etwas kleineren Fruchtzapfen und das kleinere, nicht klebrige Laub.

Alnus ist der lateinische Name der Erlen, den bereits die alten Römer verwendeten; incanus bedeutet sinngemäß aschgrau und bezieht sich auf die anfangs hell befilzten Unterseiten der Blätter. Sie führten auch zu der synonymen Bezeichnung Alnus lanuginosa, Wollige Erle. Das deutsche Erle leitet sich vom althochdeutschen erila ab.

Fotos

Gesamte Pflanze Grau-Erle
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Blatt Grau-Erle
Quelle: Vassil, Public domain, via Wikimedia Commons
Frucht Grau-Erle
Quelle: Vassil, Public domain, via Wikimedia Commons
Blüte Grau-Erle
Quelle: Wilhelm Zimmerling PAR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Rinde Grau-Erle
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wie sieht die Grau-Erle aus?

Die Grau-Erle ist ein von Grund auf mehrstämmiger Baum, der eine Höhe von bis zu 25 Metern erreichen kann. Unterirdisch bildet sie ein dichtes flaches Wurzelwerk, oberirdisch weisen die oft krumm und drehend wachsenden Stämme eine glatte silbergraue Rinde auf, die auch im Alter kaum aufreißt. Die Krone ist anfangs spitz-konisch und wird im Alter zusehends rundlicher. Ihre Blätter sind elliptisch und zugespitzt, mit einer glänzend dunkelgrünen Oberseite und einer filzig behaarten Unterseite und einem scharf doppelt gesägten Rand. Männliche Kätzchen hängen zu mehren beieinander und haben eine zylindrische Form, die weiblichen wachsen zu holzigen Zapfen heran, die beim Austrocknen aufbrechen und schmal geflügelte Nüsschen freisetzen.

Wann blüht die Grau-Erle?

Die Grau-Erle (Alnus incana) blühlt im Februar und März.

Welche Erle kommt im Hochgebirge vor?

Die Grau-Erle kommt im Hochgebirge häufiger vor als die Schwarz-Erle. Sie wächst dort bevorzugt an Gebirgsbächen und besiedelt als Pionierpflanze Steilhänge, Ruschflächen und Lawinenabgänge. Dort gibt sie mit ihren dichten und flachen Wurzeln einen guten Bodenfestiger und sorgt mit ihren Wurzelsymbionten für die Anreicherung des Bodens mit Stickstoff.

Ökologischer Wert

Grau-Erle in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
13
Pollenwert:
3
Dient als Futterplanze für Raupen:
15

Themen

Pflanzen für Tiere
Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
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