Nordmann-Tanne,Nordmanns Tanne

Abies nordmanniana

Gehölz
Wildform
Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: Crusier, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aus dem Kaukasus stammende Tannenart
  • Beliebter Nadelbaum für Garten, Parkanlagen und als Weihnachtsbaum
  • Kleinwüchsige Sorten erhältlich, auch für Stein- und Heidegärten oder als Kübelpflanze für den Balkon
  • Braucht einen schweren bis mittelschweren, gleichmäßig feuchten und nährstoffreichen Lehmboden
  • Robust und wenig anfällig für Krankheiten und Schädlinge
  • Vermehrung mit Samen möglich, aber Jungbäume allgemein bevorzugt
  • Kegelförmige Krone und gleichmäßiger Wuchs
  • Blätter dicht spiralig, dunkelgrün mit heller Unterseite und nicht stechend
  • Bildet in den obersten Etagen aufrechte, dauerhafte Tannenzapfen
  • Mag keine starken Fröste oder Spätfröste
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 25 - 30 m
Breite: 7 - 9 m
Zuwachs: 30 - 50 cm/Jahr
Wurzelsystem: Herzwurzler
Blüte
Blütenfarbe: grün
Blühzeit:
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Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: humos bis lehmig
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Koniferen
Familie: Kieferngewächse
Gattung: Tannen
Diese Pflanze ist in Mitteleuropa nicht heimisch

Bedenke, die auf heimische Wildpflanzen angewiesenen Tierarten, wie die meisten Wildbienen- und Schmetterlingsarten sowie davon abhängige Vögel, sind von einem dramatischen Artenschwund betroffen. Mit heimischen Arten kannst du etwas zum Erhalt beitragen.

Was ist Nordmann-Tanne?

Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana) ist ein meist bis zu 30, selten 50-60 Meter hoher Nadelbaum mit einer anfangs schmalen und später breit kegelförmigen Krone. Der aktuell beliebteste Weihnachtsbaum gehört zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und stammt aus einem Gebiet im nördlichen Kleinasien und rund um den westlichen Kaukasus, weswegen man den Baum auch als Kaukasus-Tanne bezeichnet. Dort wächst sie bevorzugt in Höhenlagen zwischen 900 und 2.200 Metern, teils bestandsbildend, teils vergesellschaftet mit Kaukasus-Fichte, Wald-Kiefer und Eibe. Mit der einheimischen Weiß-Tanne (Abies alba) ist sie nahe verwandt.

Der Stamm wird bis zu eineinhalb Meter dick; seine Rinde ist graubraun bis grauschwarz und im unteren Teil dick borkig und längsrissig. Die Äste stehen scheinbar quirlförmig angeordnet und sind waagerecht ausgebreitet. Jung sind die Zweige olivgrün bis graubraun und deutlich gerieft, mit einer dunklen Behaarung, die später verschwindet. Charakteristisch ist das Fehlen eines harzigen Überzuges auf den Winterknospen; diese eiförmig bis breit kegelförmig und 5-6 Millimeter lang. Die daran sitzenden Schuppen sind dennoch miteinander verklebt und bleiben auch später erhalten. Kräftige Äste bilden eine zusätzliche Knospe, die zu einem nach unten gerichtetem Seitenzweig auswächst, sodass die Krone sehr dicht gefüllt wirkt.

Die 2-3,5 Zentimeter langen und etwa zwei Millimeter breiten Nadelblätter der Nordmann-Tanne stehen dicht und schraubig; sie sind weich und stechen nicht wie die vieler anderer Nadelbäume. Ihr Ende ist spitz, gerundet oder stumpf, die Oberseite ist glänzend dunkelgrün, ihre Unterseite weist zwei auffällige weiße Streifen aus Spaltöffnungen auf.

Nordmann-Tannen sind einhäusig und es finden sich sowohl männliche als auch weibliche Blüten an den gleichen Bäumen. Die gelblich-grünen männlichen Blüten sind etwa einen Zentimeter groß und kugelig und stehen auf der Unterseite der Zweige in großer Zahl in den Blattachseln. Dagegen wachsen die grünen weiblichen Blüten aufrecht wie Kerzen aus den Zweigoberseiten empor; sie werden etwa drei Zentimeter lang und bilden später einen zylindrischen, oben wenig zugespitzten Zapfen von 12-20 Zentimeter Länge und einem Durchmesser von 4-6 Zentimetern.

Nach einer langen Reifezeit werden die Tannenzapfen schließlich trocken und hellbraun. Charakteristisch sind die zurückgeschlagenen, zwischen den Samenschuppen hervorlugenden Deckschuppen. Im Inneren befinden sich 6-12 Millimeter lange keilförmige Samen mit etwa doppelt so langem häutigen Flügel. Reif werden die Samen im September und Oktober; wenn sich die Zapfen öffnen fliegen sie große Strecken mit dem Wind davon. Selten fallen die Tannenzapfen zu Boden; meistens bleiben sie an den Zweigen stehen und zerfallen nach und nach, bis nur noch die Spindel übrigbleibt.

Nordmann-Tanne im Garten

Standort

Die Nordmann-Tanne braucht viel Platz – dann entwickelt sie sich auch am schönsten. Junge Bäume sind gut schattenverträglich, sodass man sie auch problemlos zwischen anderem Gehölz pflanzen kann; dieses sollte man aber später entfernen, damit sich der Baum in aller Pracht entfalten kann. Mit reichlich Sonne und Wärme funktioniert das am besten. Keine Sorge, die Bäume wachsen relativ langsam und werden nicht binnen weniger Jahre zu Monstern.

Wie alle Tannen ist auch diese recht anspruchsvoll und mag hohe Luftfeuchtigkeit, gleichmäßig feuchten Untergrund und ein gemäßigtes Klima ohne allzu große Kapriolen. Der Boden sollte möglichst tiefgründig sein, da die Bäume schon früh eine ausgeprägte Pfahlwurzel bilden; mit viel Humus und Nährstoffen, gut durchlässig und schwer bis mittelschwer mit hohem Lehmanteil. Auch im heimatlichen Kaukasus wird es kalt; daher ist die Nordmann-Tanne auch bei uns relativ frosthart. Allzu tiefe Minusgrade und Spätfröste nimmt sie allerdings übel. Die große Pfahlwurzel sorgt dafür, dass die Bäume bei einem starken Sturm eher abbrechen als umfallen.

Schnitt

Schneiden sollte man am besten lassen, so weit es sich vermeiden lässt – die Nordmann-Tanne wird ganz von allein ein schöner Baum mit ausladender Krone. Tote Äste kannst Du natürlich jederzeit entfernen.

Vermehrung

Für Weihnachtsbaumplantagen werden die Samen eigens gesammelt. Da es in der kaukasischen Heimat immer weniger gut zugängliche Nordmann-Tannen zum Zapfen sammeln gibt werden sie mittlerweile auch bei uns als Saatbäume gepflanzt. Sie selber aus dem Samen zu ziehen ist eine langwierige Angelegenheit; daher wird man eher auf die jungen Tannen aus Baumschule und Gartenfachhandel zurückgreifen.

Möchtest Du eine Nordmann-Tanne für Deinen Garten, kannst Du auch einen voll bewurzelten kleinen Weihnachtsbaum kaufen. Nach den Festtagen lässt er sich problemlos im Freiland auspflanzen – sobald es draußen wieder etwas wärmer geworden ist.

Reine Arten kann man aussäen, wohingegen die Sorten nur vegetativ vermehrbar sind. Viele der im Gartenhandel erhältlichen Bäumchen sind veredelt, sodass sich bei Stecklingen die typischen Eigenschaften nicht erhalten lassen.

Verwendung

Am besten kommt die Nordmann-Tanne als prächtiger Solitär zur Geltung. Wenn Du einen eher kleinen Garten hast solltest Du Dich in der Baumschule oder im Gartencenter erkundigen, was sie an kleinerwüchsigen Sorten im Sortiment haben; viele davon werden nicht ganz so riesig. Zwergformen sind auch für den Steingarten, Heidegarten oder als Kübelpflanzen für die Terrasse oder den Balkon geeignet.

Schädlinge

Die Nordmann-Tanne ist ausgesprochen robust und widersteht Krankheiten und Schädlingen besser als viele andere Tannenarten. Bestenfalls alten und vorgeschädigten Bäumen macht der Hallimasch zu schaffen.

Zusehends eine Ausnahme machen Tannentriebläuse, welche die Nordmann-Tanne sogar in ihrem Namen: Dreyfusia nordmannianae haben. Sie und die nahe verwandte Dreyfusia merkeri saugen an den jungen Maitrieben, sodass diese krumm wachsen und auch die Nadeln verbogen erscheinen. Die Zweige sehen danach aus wie Flaschenbürsten.

Bei näherer Betrachtung erkennt man die schwarzen Läuse, die wie Wollläuse nach der Schur aussehen. Junge Bäume können dadurch nachhaltig Schaden nehmen und absterben. Bei uns vermehren sich die eingeschleppten Schädlinge nur parthenogenetisch durch Jungfernzeugung und werden passiv mit dem Wind oder von Mensch und Tier übertragen.

Ökologie

Wie bei allen Nadelbäumen übernimmt auch bei der Nordmann-Tanne der Wind die Rolle des Pollenüberträgers für die Bestäubung. Er ist es auch, der die Samen weit von den Bäumen wegträgt; sie sinken als Schraubenflieger nur langsam zu Boden und halten sich entsprechend lange in der Luft.

Wissenswertes

Nordmanns Tanne

Benannt wurde die Nordmann-Tanne nach dem finnischen Naturforscher Alexander Nordmann, dem Direktor des Botanischen Gartens von Odessa, der sie 1836 erstmals im heutigen Georgien an den Hängen des Kaukasus entdeckte und die ersten Samen mitbrachte. 1840 gelangte sie nach England, und das erste in Deutschland wachsende Exemplar haben wir Alexander von Humboldt zu verdanken, der einen Baum für den Botanischen Garten in Berlin-Dahlem organisierte.

Weihnachtsbaum ganz groß

Heutzutage ist die Nordmann-Tanne die beliebteste Nadelbaumsorte für Weihnachtsbäume und in Gärten und Parks sehr beliebt, da sie bei freistehendem Wuchs zu einem ausgesprochen imposanten Solitär heranwächst. Während die Bäume in ihrer Heimat bis zu 60 Metern Höhe erreichen, werden sie in unseren Breiten nur bis zu 30 Meter hoch. Alte Bäume sind bis zu 500 Jahre alt und haben einen bis zu zwei Meter dicken Stamm.

Kleine Zuchtsorten

Noch wesentlich kleiner sind viele Sorten, die wegen des übersichtlichen Wuchses für dem heimischen Garten besonders beliebt sind. ‚Pendula‘ wird beispielsweise 10-20 Meter hoch; sie wächst schlank säulenförmig und hat lang herabhängende Äste. Nur 5-10 Meter Höhe erreicht die geradezu zwergenhafte Sorte ‚Barabits Compact‘, mit waagerecht abstehenden Ästen und frischgrünen Nadeln. Geht noch kleiner: ‚Golden Spreader‘ ist nur bis zu einem Meter hoch und wird bis eineinhalb Meter breit, mit abgespreizten Ästen und leuchtend gelben, unterseits blass gelbweißen Nadeln. Diese ungewöhnliche Sorte hat den renommierten Award of Garden Merit der Royal Agricultural Society gewonnen.

Nordmann-Tanne in der Forstwirtschaft

Forstwirtschaftlich spielt die Nordmann-Tanne bei uns keine große Rolle, da sie dafür zu frostempfindlich reagiert. Nur zur Wiederaufforstung wird sie bisweilen verwendet. Anders sieht das mit den Weihnachtsbaum-Plantagen aus – davon gibt es eine ganze Menge, auch zum Selber aussuchen. Beliebt als Christbaum ist sie wegen der rund um die Zweige stehenden, kaum stechenden Nadeln, die zudem lange am Baum bleiben und nicht so schnell abfallen, selbst wenn der Tannenbaum nicht ins Wasser gestellt wird. Andererseits duftet sie weniger aromatisch als andere Arten.

Tannenholz für Bau und Papier

Das Holz der Nordmann-Tanne ist weich und fast weiß und wird vor allem als Bauholz und zur Papierherstellung benutzt.

Kahl oder haarig?

Botaniker unterscheiden (mindestens) zwei Unterarten:

  • Abies nordmanniana ssp. nordmanniana aus Kaukasus und nördlicher Türkei mit flaumig behaarten jungen Trieben und
  • Abies nordmanniana ssp. equi-trojani (Abies equi-trojani, Abies bornmuelleriana), die in der nordwestlichen Türkei an der Schwarzmeerküste und am Berg Ida wächst, mit kahlen Jungtrieben.

Abies x insignis und andere Hybriden

Zudem bildet die Nordmanntanne leicht Hybriden, vor allem mit der Spanischen Tanne (Abies pinsapo), die dann nur noch schwer einzuordnen sind. Dazu gehört beispielsweise Abies x insignis, die man im Gartenfachhandel bisweilen unter diesem Namen findet.

Fotos

Gesamte Pflanze Nordmann-Tanne
Quelle: Crusier, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Rinde Nordmann-Tanne
Quelle: Franz Xaver, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blatt Nordmann-Tanne
Quelle: Petr Filippov, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Sorten Nordmann-Tanne

Sorte Höhe Breite
Nordmann-Tanne (Wildform) 25 - 30 m 7 - 9 m
Nordmanntanne 'Golden Spreader'

Häufige Fragen

Wie erkennt man eine Nordmanntanne?

Bei uns wird die Nordmanntanne meist nur bis zu 30 Metern hoch. Die Bäume haben einen geraden Stamm mit einer graubraunen bis schwarzgrauen Rinde, die im unteren Teil eine dicke und längsrissige Borke bildet. Ihre Krone ist anfangs schmal und später breit kegelförmig. Die eiförmigen Winterknospen sind verklebt, aber ohne einen harzigen Überzug. Ihre Nadeln stehen dicht und schraubig; die Oberseite ist glänzend dunkelgrün, die Unterseite fast weiß durch zwei helle Bändern von Spaltöffnungen. Sie sind ausgesprochen weich und stechen kaum. Die männlichen Blüten erscheinen an den Unterseiten der Zweige und sind kugelig und gelbgrün, die grünen weiblichen Blüten auf der Oberseite. Die Tannenzapfen stehen kerzenartig aufrecht; charakteristisch sind die umgeschlagenen Deckschuppen, die man von außen erkennen kann.

Was ist ein Vorteil der Nordmanntanne?

Besonders vorteilhaft ist die Nordmanntanne als Weihnachtsbaum: sie hat einen gleichmäßigen dichten Wuchs, die Nadeln stechen kaum und stehen dicht an dicht, sind oberseits dunkelgrün und unterseits hell und lange haltbar. Bis der Christbaum nadelt dauert eine ganze Weile – in der Zeit ist eine Blaufichte oder Edeltanne bereits zum Gerippe mutiert. Zudem sind die Äste kräftig und können einen Menge Weihnachtskugeln ertragen, ohne sich gleich durchzubiegen. Der einzige Nachteil: Die Bäume wachsen deutlich langsamer als andere Weihnachtsbaumsorten und sind dementsprechend auch teurer.

Wie pflegt man eine Nordmanntanne?

Die Nordmanntanne gilt wie andere Tannenarten als relativ anspruchsvoll. Sie braucht einen nährstoffreichen und gleichmäßig feuchten, schweren bis mittelschweren Lehmboden, der gut durchlässig sein muss. Die Bäume entwickeln bereits früh eine tiefreichende Pfahlwurzel und sind daher recht sicher vor Stürmen geschützt. In der Jugend verträgt sie Schatten ausgesprochen gut, so dass man sie problemlos mit anderen Bäumen kombinieren kann. Im Alter möchte man in der Regel von der imposanten Erscheinung mit der breit kegelförmigen und schön geformten Krone profitieren. Dann sollte man die Bäume als Solitäre halten und die Umgebung freihalten.

Wofür ist Nordmann-Tanne gut?

Die Nordmann-Tanne ist ein beliebter Parkbaum und auch für den Garten gut geeignet, da sie im Alter schöne Solitäre abgibt. Ihr gleichmäßiger Wuchs und die umstehenden, nicht stechenden Nadeln mit dunkelgrüner Oberseite und hellerer Unterseite machen sie auch zum beliebtesten Weihnachtsbaum, der lange Zeit seine Blätter behält und wenig nadelt. Wer sie im Garten haben möchte, kann auch auf kleinwüchsige Sorten zurückgreifen. Einige davon wie die gelbliche ‚Golden Spreader‘ wird nur wenig über einen Meter hoch und breit und ist daher auch als Kübelpflanze und damit für Balkon und Terrasse geeignet.

Ökologischer Wert

Nordmann-Tanne nicht heimisch und hat nach unseren Informationen keinen (großen) Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co.